Band 
Zwölfter Theil. Vom Jahre 1610-1630.
Entstehung
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2v6 Geschichte von Frankreich

"^7 stellte vor/ dsß sie an den Hof der Königin Mutter mehr Unruhe und Verwirrung,

Iv2O. als Vortheil und Nutzen bringen würden; daß es/ da sie gegen den Dienst des Kö,

niges üble Gesinnungen hätten / zu wünschen wäre / daß sie aus Paris giengen, in,dem Se. Majestät sich nicht von dieser Stak? würden entfernen können , wenn siedarinnen blieben; daß man gänzlich Ursache hatte/ zu glauben / es würden auf die,se Art alle Mißvergnügte / einer nach dem andern , fortgehen / daß aber bey demersten, der wiederkäme/ die andern sich nicht säumen würden, ihm zu folgen.

Der ganze Staatsrath fiel der Meynung des Präsidenten Ieannin bey / undum eils Uhr in der Nacht machten sich der Graf und die Gräfln von Soißons aufden Weg nachj Angers, ohne daß sich jemand ihrer Abreise widersetzte. Der Herzog vonVcndome nnd der Großprior, sein Bruder/ der Herzog von Nemours und der Gras vonSaint, Aignan eilten auch dahin.

Jedermann stund in der Meynung , daß die Königin Mutter nun bald einefürchterliche Partey haben würde. Der Herzog von Longueville bemühete sich / dieNormandie zur Empörung zu bringen; er war Herr von Dieppe und hatte eine großeAnzahl von Edelleute« und Soldaten in der Stadt Rouen versammlet, unter demVorwande des feyerlichcn Einzugs, den man allda für die Frau von Longueville, sei,ne Gemahlin, veranstaltete. Der Graf von Torigny, ein Verwandter des Herzogsvon Longueville/ war Untcrlandrichter in der Nicdernormandie. Der Großprior cvm,mandirte in dem Schloße von Caen. Der Gras von Soißons hatte Dreux undFerree, Bernard in der Landschaft Perche. Die Königin hatte Angers und Pont deCe / einen wichtigen Paß über die Loire/ und der ganze Adel der Provinz hakte sichfür sie erklärt. Die Herzoge von Retz , von la Tremoille / von Roannez und vonRohan besaßen beträchtliche Landgüter oder Gouvernements in Bretagne und in Pol-te» ; der Herzog von Epecnon commandirte in Angoumois und in Taintonge; derHerzog von Mayenne in Guienne und zu Boucdeaux / der Vicomte von Aubelerrezu Blaye rs«. Barbin / der sich in dem Lüttichischen aufhielte/ warb allda Solds,ten für den Marquis von la Valette an / der in Metz Oberbefehlshaber war. DerHerzog von Nemours hatte seinen Secretär Pasquier in das Land von Genf geschickt,um einige Truppen anzuwerben.

Um nun diese Partey zu zerstreuen / so beschloß der Hof/ die Unterhandlungund die Gewalt anzuwenden. Man ernennrte vier Abgeordnete, welche nach Angersgehen und der Königin Mutter den Frieden anbieten sollten. Diese waren der Erzbi,schof von SenS, der Herzog von Montbason, der Herr von Vellcgarde / Oberstall,Meister/ und der Präsident Ieannin. Den achten Julius wurde Bellegarde und derMarsch«! von Brißac / als Herzoge und Paks / in dem Parlemenr aufgenommen /und den folgenden Tag reifere der erstere/ mit den drey andern Abgeordneten nach An,gers / und der Marsch«! von Brißac nach Bretagne.

Der König hielt eine große Rathsversammlung/ worinnen entschieden wurde/daß man den Anfang mit Unterwerfung der Normandie machen sollte. Der Prinzvon Condee sagte zu dem Könige, man müßte wider die Aufrührer losgehen , ohne lh,nen Zelt zu geben, sich zu besinnen; und wenn man dem Rathe des Herrn von Vil-leroi, bey dem Anfange des ersten bürgerlichen Kriegs, gefolgt und die Mißvergnügtren, die sich nachMezieres begeben hatten, angegriffen hätte, so würde ihreEmpörungunfehlbar so gleich In der Geburt erstickt worden seyn.

2*2 Lllxrcure , t, L.