8. GESCHICHTE DER SPECUUTIVEN STOFFLEHRB.
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Die Bedürfnisse der Medicin und Technik führten indess zueiner Unterscheidung der verschiedenen Stoffe und zum Studiumihrer Eigenschaften. Dioscorides 6 ) und Plinius 7 ) enthaltenBeispiele chemischer Zerlegungen und Verbindungen. Galenus 8 )führt die medicinischen Kräfte der Stoffe wieder zurück auf dieGegensätze des Aristoteles von warm und kalt, trocken undfeucht. Durch das ganze Mittelalter, bei den Arabern, und solange die Scholastik die Wissenschaft beherrschte, stand dieNaturansicht von Aristoteles in vollem Ansehn. Mit dieser un-klaren Lehre verband sich die zum Theil mystische Alchemie.Die Metalle galten als zusammengesetzt aus Schwefel und Queck-silber , und der Stein der Weisen sollte dienen, aus unedelnMetallen Gold zu erzeugen, auch zugleich ein Universalmittelsein gegen alle Krankheit und dauernde Jugend verleihen. UnterSchwefel und Quecksilber und anderen Elementarstoffen dachteman sich, verschieden von der heutigen Wortbedeutung, ab-stracto Substanzen, denen man zum Theil verborgene Eigen-schaften, qualitates occultas , beilegte. So ffndeu wir es beiGeber 9 ) und den späteren Alchemisten, Albertus Magnus 10 ),Roger Baco 11 ), Raymundus Lullus 12 ). Den beiden Be-staudtheilen der Metalle glaubte Basilius Valentin 13 ) noch,als dritten, Salz beifügen zu sollen; auch Paracelsus 14 ) tratdieser Ansicht bei, und führte, nicht nur die Metalle, sondernorganische und unorganische Körper auf jene drei Grundstoffezurück. Van Helmont 19 ) dagegen hatte durch Versuche sichüberzeugt, dass alle organischen Substanzen nur aus Wasserbestehn und dieses, den generischen Saft, als Grundstoff be-trachtet. Die Körper aber entstehn nach ihm durch die allge-mein verbreitete lebendige Kraft, den Archeus , welcher Fermenteund Samen erzeugt, aus welchen alles Körperliche sich entwickelt.Boyle 16 ), der zuerst die Alchemie bekämpfte und als ein Be-gründer der neueren experimentellen Chemie zu betrachten ist,verwarf die bisher angenommenen Elemente und forderte auf,
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