9 . DIE ERFAHRUNG ALS GRUNDLAGE DER NATURWISSENSCHAFT. 59
Beobachtung-, wenn die Dinge und Erscheinungen so auf-gefasst werden, wie die Natur sie darbietet, ohne dass wir inihre Entstehung oder Gestaltung eingreifen (Astronomie, Meteo-rologie, Geologie); sie wird sinn Experiment oder Versuch,wenn wir die Erfahrung von uns ans herbeiführen, indem wirdie Naturkrälte, so weit wir es vermögen, in Thäligkeit setzenund zur Erzeugung von Wirkungen veranlassen (Chemie, Elektri-citätslehre, Optik). — Die Beobachtung ist oft getrübt durchstörende Einflüsse, die wir nicht entfernen können, sie bleibtoft vereinzelt, und was an der Erscheinung unbeachtet blieb,lässt sich nicht nachholcn. Im Experiment dagegen können dieVerhältnisse mannigfaltig verändert und stets so bestimmt werden,wie der Zweck, den man im Auge hat, es verlangt; es kannferner jeder Versuch so oft, als man es gut findet, wiederholtund jede Lücke, die offen gelassen wurde, ausgefüllt werden.Daher schreiten in der Regel die auf das Experiment gestütztenWissenschaften rascher und sicherer fort, als diejenigen, dieauf die Beobachtung angewiesen sind. — Dieser Begriff desExperiments ist aber wesentlich verschieden von demjenigen,den man oft in den Ausdruck Experimental-Physik hinein-legt, sofern man unter dieser einen durch Experimente erläutertenLehrvortrag versteht. Die Experimente, die einen solchen Vor-trag begleiten, sind didaktisch, sie machen nur auf Klarheit,auch wohl auf Eleganz, keineswegs auf mathematische Genauig-keit und Reinheit von fremdartigen Einflüssen Anspruch, siesollen bereits anerkannte Naturgesetze deutlich machen. Dieersteren Experimente dagegen sind heuristisch und strebennach der Entdeckung neuer Wahrheiten. — Auch die Taschen-spielerei kündigt sich zuweilen an als Experimental-Physik ,Physique amüsante. Ihre Experimente, die man magischenennen könnte, haben im Interesse der Naturwissenschaft in so-fern Werth, als sie uns beweisen, wie leicht es ist, unsereSinne zu täuschen, wie sehr wir uns zu hüten habeu, aus einer