60 9 . DIE ERFAHRUNG ALS GRUNDLAGE DER NATURWISSENSCHAFT,
uns unerklärbaren Tbatsache vorschnell auf noch unentdeckteNaturkräfte, oder gar auf dämonische oder sonst übernatürlicheEinwirkung zu scliliessen.
Die Kunst gut zu beobachten und zu experimentiren ist inunserer Zeit zu einem hohen Grade von Vollkommenheit gebrachtworden. Sie wird unterstützt durch mannigfaltige Apparate,meist Beweise des grössten menschlichen Scharfsinns, und bestimmt,theils zur Verstärkung unserer Muskelkraft zu dienen, wie Pressen,Hebel, Radwerke u. s, w. , theils zur Erweiterung der unserenSinnesorganen gesetzten Grenzen , wie Fernrohren , Mikroskope,theils zur Erzeugung besonderer Zustände, wie Luftpumpen,elektrische und galvanische Apparate, Polarisationsinstrumente,theils endlich und vorzugsweise zur Messung aller in Untersuchungfallenden Grössen, vermittelst Längenskalen, Winkelinstrumenten,Uhren, Wagen, Thermometern, Barometern, Photometern, Gal-vanometern, Dekliuatorien u. s. w.
Fehlerfreie Messinstrumente zu erhalten ist kaum möglich.Jedenfalls ist vor jedem Gebrauch eine genaue Prüfung derselbendie erste, oft langwierige Arbeit des Physikers, die ihm erstdie Meisterschaft über sein Werkzeug erwirbt. Nach dieserPrüfung hat er sich Regeln zu bilden, um, durch angebrachteCorrectioneu, die Angaben des Instruments auf ihren wahrenWerth zu reduciren, und mit Hülfe dieser, leicht in Formelnoder Tafeln auszudrückenden Regeln können auch mit fehlerhaftenInstrumenten genaue Bestimmungen erhalten werden. GrosseEinfachheit in der Construction der Apparate gewährt den Vorzug,dass ihre Fehler sich mit voller Sicherheit auffinden lassen.
Dennoch werden sich, bei wiederholter Messung derselbenGrösse, meist Differenzen zeigen, die von ungleichen Zuständender Umgebung oder des Physikers selbst zur Zeit der Messungenherrühren können. Es entsteht daher die neue Aufgabe, ausdiesen von einander abweichenden Werthen einen Werth zu be-