13 . GESCHICHTE DER INDUCTIVEN NATURWISSENSCHAFT. 81
Schulen oder Priesterschaften in Asien. — Auch Demokrit,dessen grosse Kenntnisse über natürliche Dinge bis in späte Zeitgepriesen wurden, der ferner die Grundlagen, auf denen unsereneuere Wissenschaft beruht, Empirie und Mathematik, nebst eineratomistischen Vorstellung der Materie, auch als die Grundlageseiner Philosophie betrachtete, wird kaum jeder eigenen Beob-achtung, jedem Versuch, auf jenen Grundlagen fortzubauen,fern geblieben sein. Zu grösserem Ansehn gelangten jedoch zurZeit der höchsten Blüthe der griechischen Welt, die spirituali-stischen Schulen in Italien und Athen, welche die Wahrheitdurch abstractes Denken und scharfsinnige Zergliederungen vonBegriffen zu ergründen suchten, hiedurch aber von dem näherenVerkehr mit der Natur abgezogen wurden.
Plato stützte sich auf den Grundsatz, dass nicht vonden stets wechselnden und sich verändernden wirklichen Dingenunsere Erkenntniss ausgehn müsse, sondern von dem, was inder äusseren Erscheinung das Bleibende und Wesentliche ist,von den Idee’n, oder allgemeinen Vorstellungen, welche derVerstand mit der sinnlichen Wahrnehmung verbindet. Die Er-kenntniss müsse von den allgemeinen Idee’n zu den besonderenErscheinungen der Wirklichkeit fortschreiten, das reine Erkennender höchsten Idee’n sei die erste und wichtigste Aufgabe desPhilosophen. — Aristoteles dagegen behauptete zwar, dassalle unsere Vorstellungen von sinnlichen Eindrücken ausgehn,von der Erfahrung müsse man durch Induction zu den Principienaufsteigen, er liess es auch nicht fehlen an reichen Sammlungenvon Thatsachen aus allen Gebieten der Natur; allein den lang-samen Weg einer Schritt für Schritt aufsteigenden Inductionwollte er nicht gehn, die Thatsachen blieben ihm ein todtesCapital, er übersprang alle Mittelglieder und glaubte die Prin-cipien durch spitzfindige Worterklärungen und logische Con-structionen, die er mit den Thatsachen auf gezwungene, ofteinem Wortspiele ähnliche Weise in Verbindung brachte, erselzen
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