82 13 . GESCHICHTE DER 1NDUCT1VEN NATURWISSENSCHAFT.
zu können. — Diesen grossen Meistern folgten die späterenGriechen und die Römer. Die Astronomie allein unter denNaturwissenschaften machte in Alexandrien auf dem Wege derBeobachtung und inductiven Auffindung allgemeiner Gesetze wirk-liche Fortschritte. . Hipparch gründete auf ältere und eigeneBeobachtungen die Theorie der excentrischen oder epicyklisehertBahnen der Sonne und des Mondes, nach welcher er, auf de-ductivem Wege, Tafeln zur Bestimmung später eintreffender Ortedieser Gestirne berechnete. Ptolemieus 1 ) konnte später, ge-stützt auf die Beobachtungen von Hipparch und seiner Nachfolger,dieselbe Theorie auf die Planeten ausdehnen und zugleich anden Mondstafeln wesentliche Verbesserungen anbringen. — DiePhysik aber blieb so gut als stationär, befangen in den logischenKreisen der Philosophen. Man nahm als a priori bewiesen an,dass die Geschwindigkeit fallender Körper ihrem Gewichte pro-portional sei, dass das Wasser durch Ansaugen in Röhren auf-steige, die Luft in sich öffnende Blasbälge eindringe, weil nachAristoteles die Natur keinen leeren Raum dulde, natura ab-horret vacuum, dass das Sehen durch Strahlen vermittelt werde,die, wie Fühler, von dem Auge aus nach den Objecten gehn,und Anderes, ohne dass man es versuchte, durch das Experimentdie Richtigkeit dieser Erklärungen zu prüfen, oder die vonGeneration zu Generation überlieferten Erfahrungen durch neuezu vermehren und zu erläutern. Die gelehrte Thätigkeit imGebiete der Physik beschränkte sich fast ausschliesslich auf Er-läuterung und Commentation der alten Schriftsteller.
Es musste im Mittelalter, unter Arabern und Christen, dieseVorliebe zu einer commentatorischen Behandlung der Wissen-schaft noch gesteigert werden. Beiden war die Erklärung ihrerheiligen Bücher die Hauptaufgabe der Schulen, und die erworbeneexegetische Fertigkeit, die Gewohnheit allen Scharfsinn auf dasVerständniss von Schriftwerken, nicht auf das der Dinge selbst,zu verwenden, wurde auf alle Zweige des Wissens übergetragen.