250 XX Capitel. Wie mit der Zeit diese Bahnt,
Wenn durch dieProgressen der Industrie die Anzahl der Einwohner zuge-nommen hat, und folglich die Lebensrnittel sparsamer zugemessen werden,so muss er zu beurtheilen wissen, wie hoch er, ohne seinem Lande zu scha-den, den Preis der Lebensrnittel dürfe steigen lassen. Findet er, dass, umdie Leute zum Anbau wüstliegender Felder aufzumuntern, die Lebensrnittelallzuhoch im Preise steigen müssen, und daß dieser höhere Preis sobald nichtwieder herunter zu bringen sey, daß der innerliche Werth der Waaren sichauf dem bisherigen Fus erhalten könnte: so muss er alsdann aus seinem Schatzedem Ackerbau zu Hülfe kommen, damit den Leuten nicht die Lust zur Aus-fuhr der Lebensrnittel benommen werde. Dieses wird die Wirkung haben,daß ein den Erfordernissen richtig-proportionirter größerer Vorrath von Le-bensrnitteln verschafft wird, ohne daß ihre Preise allzuhoch steigen. Undwenn diese Operation langsam von statten geht, die Nachfrage nach einemgrossem Vorrath Lebensrnittel aber dringend ist, so muss erste, während sol-cher Zwischenzeit, aus fremden Ländern in fein Land führen lassen. DieseZufuhr kann er wieder aufheben, sobald es ihm beliebt, das ist, sobald er ih-rer nicht mehr bedarf.
Kommt die Zufuhr aus einem Lande her, das unter eben derselben Ober-herrschaft steht, so muß der Staatsmann gleich im Anfang zu verhüten suchen,daß, wenn diese Zufuhr mit der Zeit unterbrochen wird, keine gewaltsameRevolution darauf erfolge. Z. E. eine Provinz verlangt von einer andern dieKornzufuhr nur auf etliche wenige Jahre, bis ihreigener Boden so verbessert wer-den kann, daß er ihr einen hinlänglichen Vorrath Korn verschaffe. Ohne Zweifelmüßte der Staatsmann die Einwohner der Provinz, welche die Lieferung thut,zum Ackerbau aufmuntern, und die Landleute wissen lassen, wie gros unge-fähr die Nachfrage sey, und wie lang sie wahrscheinlicherweise fortdaurenWerde: nur müßte er nicht zugeben, dass Weinberge, oder auch eine grosseMenge alter Weideplätze, in Ackerfeld verwandelt würden, weil, wenn dieNachfrage aufhört, solche Veränderungen, die in Ansehung des Feldbaus derliefernden Provinz vorgegangen sind, eine schädliche Revolution nach sichziehen können.
So lang diese auswärtige Zufuhr vergünstiget bleibt, müßte sich derStaatsmann alle ersinnliche Mühe geben, den Ackerbau in seinem Lande, nachden Grundsätzen, die wir hiernächst bestimmen werden, eben so stark zu be-
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