288 XF. Capit. Grundsätze zur Bevestigung
Sagt man, dass Ueppigkeit, Unmässigkeit, Verschwendung und Müßsiggang, Eigenschaften, die der erstgemeldten schnurstracks entgegengesetztsind, das menschliche Herz verderben, und zu Gewaltthätigkeiten und unge-rechten Handlungen verleiten: so hat es ja der Schöpfer aller Dinge sehr weis-lich eingerichtet, dass ein massgebendes Volk, unter einer guten Regierung,durch Eieis und Enthaltsamkeit nothwendig zu Reichtum gelangen muss, wel-cher das beste Mittelist, die Gewaltthätigkeit derer, mit denen es in der gros-sen Societät des menschlichen Geschlechts in Verbindung steht, von sich ab-zuhalten. Und eben so weislich ist auch verfügt, dass nach dem Maasse, alsein Volk schlimme Gewohnheiten an sich nimmt, die es zu AusschweifungenUnd Ungerechtigkeit verführen, schon die Folge seiner Verschwendung, näm-lich die Armut, ihm die Macht, Schaden zu thun, benehmen muß. Dochdiese Reflexionen sind fast zu weit hergeholt; sie gehören wenigstens nicht indas Feld der Staatswirthschaft.
Wenn die Rede von einem tugendhaften Volke ist, welches sich aufHandlung und Indüslrie legt, so wollen wir nichts weiter an ihm betrachten,als in wiefern es sein Interesse erfodere, bey diesen Gesinnungen zu verharren;und wollen das politische Uebel betrachten, welches erfolgt, sobald es vondiesen Gesinnungen abgeht. Ist aber die Rede von einem wollüstigen Volke,wo der nicht-arbeitende Theil in allen Arten des Aufwands ausschweift, undwo der arbeitende Theil fleissig ist, und sich alle Mühe giebt, die vermeintenBedürfnisse jener zu befriedigen: da lasset uns untersuchen, was eine solcheDenkungsart für Folgen in Ansehung der auswärtigen Handlung habe; und fin-den wir, dass ein Hang der Reichen zum Luxus in dieser Rücksicht nachthei-lig sey, so wollen wir solche Mittel zu entdecken suchen, welche die Einwoh-ner bewegen können, aus einem Triebe des Eigennutzes ihre Sitten zu ver-bessern.
Diese Dinge vorausgesetzt, will ich itzt einen kurzen Abriß derjenigenallgemeinen Grundsätze geben, nach welchen man ein System der auswärtigenHandlung errichten, und solang, als möglich ist, aufrecht erhalten kann. Zu-gleich will ich die Methoden zeigen, wodurch sich dasselbe wiederherstellenläßt, wenn ein Volk deswegen, weil seine Rivalen mehr natürliche Vortheilevor ihm voraus haben, und von einem Staatsmanne, der ein ausnehmendesRaffinement besitzt, angeführt werden, (nicht aber wegen seiner innerlichen
Staats-