4,16 XXVII. Cap. Circulation und Balanz des Vermögens
Wenn es darauf ankommt , einen übermässigen Geschmack, den dieNation an hitzigen Getränken findet, »u dämpfen, so müssen die Mittel z»diesem Endzweck, als entweder ein starcker Impost, oder auch die zu verbie-tende Ausschenckung, und andre mehrere hieher einschlagende Maasregeln,unverzüglich und gleichsam im Augenblick ergriffen werden. Wenn aber einStaatsmann nöthig findet, aus der Völlerey der Landeseinwohner ein höheresRevenü hervorzubringen: alsdann milß die Erhöhung der Imposten, undjede Veränderung der Landeshaushaltung in dieser Absicht nur langsam, undgradatim geschehen.
Beiläufig ist hier anzumerken, dass ein Staatsmann, der gewissen über-handnehmenden Lastern seines VolkesEinhaltthun will, am besten thut, wenner vorher eben diesen Lastern eine Zeitlang den' Zügel in etwas sehiessen läßt,und ihre Ausübung erleichtert lind bequemer macht, damit er sie nur erst aufeinen regelmässigen und systematischen Fuß bringe, danächst aber, durcheine plötzliche und gewaltsame Veränderung seiner bisdahin dissfalls beobach-teten Maasregeln, sie auf einmal zerstören und ausrotten könne.
Z. E. w ürden in London alle Huren in ein zu ihrer Handthierung be-quem eingerichtetes geräumiges Gebäude aufgenommen, wo sie sich ihren Ga-lans heimlich mit Sicherheit überlassen dürften: ich bin gut dafür, es solltenbinnen kurzer Zeit alle liederliche Menseher von den Gassen verschwinden.Und wenn sie alle zusammen unter gewissen Reglements stünden, wodurch zu-gleich dafür gesorgt würde, daß sie sich besser als bisher ernähren könnten : soist gar kein Zweifel, daß die Ausschweifungen dieser Gattung und ihre Aerger-nisse nicht nur nicht weiter um sich greifen, sondern auch die schädlichen Fol-gen davon größtenteils verhütet werden würden. Zu Paris sind dergleichenfeile Weibsbilder in ihren eigenen Wohnungen aufzusuchen , und werdendaselbst von der Polizey so lange geduldet und ungestört gelassen, als es beyihnen friedsam zugeht, und keine Unordnungen und Excesse ruchtbar werden,welche die Nachbarschaft, oder dasPublicum in Unruhe setzen können. Wennsie aber in ihren Häusern verfolgt werden, so bleibt ihnen keine andre Zufluchtübrig, als auf den Gasten herumzuschwärmen, und sich öffentlich zu prosti-tuiren. Was geschieht alsdann ? Anfänglich wird sich zwar die zärtlicheSchamhaftigkeit aller keuschen Unerfahrnen über dergleichen schändliche Er-scheinungen empören: alltnälich aber wird sie derselben gewohnt, und errö-tet