4.56 XXX. Cap. Vermischte Fragest und Anmerkungen
gegen Vernunft und Erfahrung läuft. Eine mittelmäßige Untersuchung dieserMaterie nach verschiedenen Zeitaltern wird sie heiser ins Licht setzen, als ab-stracto Schlüsse.
Ich bin noch zweifelhaft, ob die Bergwerke in Potosi und Brasilien denSpaniern und Portugiesen in den letztem zweihundert Jahren einträglicher ge-wesen seyn, als die, nach Alexanders Tod, in Asien, Griechenland und Egyp-ten aufgehäuften Schätze den Römern, in den zweihundert Jahren, die aufdie Niederlage des Perseus und die Eroberung Macedoniens folgten.
Wenn ichdieSchätze bedenke, deren alleGeschichtschreiber erwähnen, dievon der durch die Römer geschehenen Eroberung dieser Königreiche geschrie-ben haben: so glaube ich mich nicht weit von der Wahrheit zu entfernen, wennich die Schätze der frugalen Griechen mit den Gold- und Silbergruben derneuen Welt vergleiche.
Was hatte das Sammeln und Aufschütten jener unermeßlichen Schätzefür eine Wirkung in Absicht auf die Circulation ? Gewiß nicht die mindesteWirkung, sie zu beschleunigen. Wer nur die geringste Kenntnis vorn Altertumhat, wird nicht behaupten, daß in selbigen Zeiten das circulirende Geld ineben so starker Proportion zu den damaligen Schätzen gestanden habe, alssich das bey uns circulirende Geld gegen den Reichtum des wirthschaftlichstenFürsten in Europa verhält. Zweifelt jemand hieran, der lese den Appianus,welcher lagt, dass die Nachfolger Alexanders, die jene unermeßliche Reich-tümer befassen, überaus ökonomisch gelebt haben. Ihre Schätze waren dem-nach, wie ich bereits angemerkt habe, ein reeller Zuwachs zum Werthe ihrerKönigreiche, hatten aber nicht den mindesten Einfluß auf die Preise. Weildamals wenig Geld circulirte, so mußten die Preise aller Sachen sehr niedrig ste-hen, nicht wegen des grossen Ueberflusses daran, sondern wegen der schlech-ten Nachfrage. Zum Beweis hievon berufe ich mich auf das Exempel einesLandes, welches in einer Zeit von fünfzig Jahren weit mehr an baarem Geldebesaß, als zu einer andern Zeit der ganze Werth des Landes, an Ländereyen,Häusern, Sclaven, Kaufmannswaaren , Naturproducten, Mobilien undbaa-rem Gelde, betrug. Herr Humc selbst führt dieses Exempel an; und ichwun-dre mich, daß er nicht auf die natürliche Folgerung daraus verfallen ist. Dennwenn das Geld, welches dies Land besaß, weit mehr wehrt war, als alles feinübriges bewegliches und unbewegliches Eigentum: so konnte fürwahr das Geld
nicht