4.64 XXX. Cap. Vermischte Fragen und Anmerkungen
cherley Vorschläge dessalls geschehen sind. Um aber bey meinem Gleich-nis zu bleiben, so kann ich behaupten, dass wenn alle die Adern, worausdas Blut fliesst, zugebunden würden, alle Saugröhrchen, die aus dem zurück-fließenden Blute ihre Nahrung ziehen, ersterben müßten. Doch mehr, hic-von an einer gelegnem Stelle.
Fünfte Frage . Warum sind Kriegsheere, die beständig auf den Beinengehalten werden (fianding armies), eine-Folge der Handlung und Industrie?
Erstlich , man bedient sich der Kriegsheere in der Absicht, Offensiv*und Defensivkriege damit zu führen. Dies ist von je her der Zweck dieserEinrichtung gewesen, ist es noch, und wird es künftig seyn. Solange (dieMenschen fortfahren, einander zu bekriegen, werden die Armeen auf dieeine oder andre Art unentbehrlich seyn.
Man hat in allen Zeitaltern den Nutzen regulairer Kriegsheere eingese-hen. Gleichwol finden wir, daß selbige in manchen Jahrhunderten aufge-hoben zu seyn schienen, das ist, wir lesen weder von Legionen, noch vonRegimentern, noch von Truppencorps, welche in Friedenszeiten wären bei-behalten und in Waffen geübt worden , wie die Gewohnheit war, solangedas römische Reich fortdauerte. Und nun, seitdem die Handlung eingeführtist, sehen wir , dass die alte militärische Oekonomie der Römer aufs neueerwacht ist. Lasset uns demnach eine Anwendung von unfern Grundsätzenmachen, um auch den Grund dieser Revolution zu.entdecken.
Solang sich die Herrschaft der Römer erhielt, floß eine ungeheureMenge Geldes in die Schatzkammern des Staats: aber mehr vorn Raube, alsvon Taxen. Folglich war es nicht schwer, ansehnliche Corps regulairerTruppen auf den Beinen zu halten.
Mit diesen bezwängen die Römer die Welt, das ist, alle damals bekanntegesittete Nationen, die Carthaginenser, Griechen und asiatischen Völker. Hät-ten sie sich hieran begnügt, so stünde vielleicht ihr Reich noch itzt; dennVölker, welche reich, dem Luxus ergeben, und gesittet sind, pflegen auchfriedfertig zu seyn. Aber nichts konnte ihre Ehrsucht befriedigen; sie ero-berten Gallien, und erstrebten die Grenze ihres Reichs von der Straße vonGibraltar an, bis an die Mündung des Rheins. Alles war auf dieser Seite fried-lich, gesinnt, und in zwey bis dreihundert Jahren hatte sowol Spanien als-Gal-lien dieiDenkungsart, die Sprache und die Sitten des römischen Volks ange-
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