4.90 XXX. Cap. Vermischte Fragen und Anmerkungen
finden wir die Wohnungen der Großen in den mehresten Ländern nicht sehrzahlreich, hingegen von ungemeiner Größe und Dauerhaftigkeit. Anitztwirdein Gebäude nicht nach dem Gelde, das es gekostet hat, beurtheilt, sondernnach der Arbeit, die dazu erfordert worden ist. Aus den Häusern in einemLande beurtheile ich den Reichtum der Großen, und die Proportion derGlücksgüter unter den Einwohnern. Der Geschmack, nach welchem die altenSchlösser gebauet find, bezeichnet die Macht derer, die sie erbauet haben?und da ihre Anzahl gering ist, so können wir aus der Natur des Menschen,der so sehr zur Nachahmung geneigt ist, schließen, die einzige Ursache davonsey diese gewesen, daß nur Wenige sich im Stande befanden, dergleichen zubauen. Warum finden wir in den neuern Zeiten ein weit geringeres Misver-hältnis zwischen der Bequemlichkeit, womit jederman wohnt, als vormals?blos darum, weil, wegen der obgemeldten Wirkungen der Industrie, derReichtum gleicher vertheilt ist. .
Achte Anmerkung. Wir können hieraus abnehmen, daß dauerhafteMonumente kein vollständiger Maasstab der Industrie eines Landes sind. Heu-tiges Tages kann der Aufwand, den ein Fürst mit einer prächtigen Hofhaltung,mit einer starken Truppenzahl, mit öfteren Reisen, kostbaren Festins, Opern,Maskeraden , Turnieren und Schauspielen macht, eben so vielen Leuten zuArbeit und Brod verhelfen, als der Geschmack des Erbauers einer Pyramidethun konnte; und der Rauch des Schiefspulvers bey seinen Revüen, und derFackeln und Wachslichter bey seinen Gastmalen , kann der Nachwelt eben soviel nützen, als der Schatten einer Pyramide, der doch die einzige sichtbareWirkung ist, die daraus entsteht. Nur ist der Unterschied , daß das einebeständig fortdauert, und von dem andern keine Spur zurückbleibt. Selbstdie Ueberbleibscl von den großen Werken der Alten, so wenig sie an undfür sich selbst brauchbar sind , werden doch als ein Zierrath nützlich, undflößen den Nachfolgern der Fürsten edle Gesinnungen der Nacheiferung ein,deren Wirkungen immerzu die gute Folge haben werden , dass sie das Volkin der Beschäfftigung erhalten. Die Ausgaben der neuern Fürsten schmei-cheln der Sinnlichkeit, und schaffen Ergötzungen : von einer vernünftigenWahl ist hier nicht die Rede. Alle unnütze Kosten unterhalten nur die Eitel-keit; Zufälle allein machen die eine Gattung etwas dauerhafter, als die andre.
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