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Allgemeines Lexicon der Künste und Wissenschaften : oder kurtze Beschreibung des Reichs der Natur, der Himmel und himmlischen Körper, der Lufft, der Erden, samt denen bekannten Gewächsen, der Thiere, Steine und Ertze, des Meeres und der darinn lebenden Geschöpffe : ingleichen aller menschlichen Handlungen, Staats-, Rechts-, Kriegs-, Policey-, Hausshaltungs- und Gelehrten Geschäffte, Handthierungen und Gewerbe, samt der Erklärung der darinn vorkommenden Kunst-Wörter und Redens-Arten ... / in gehöriger Ordnung verfasset und mit Fleiss zusammen getragen von einem Mitglied der königl. preuss. Societät der Wissenschaften [=Johann Theodor Jablonski]
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»ach den unfruchtbaren aber siehet man wenig oder gar nichtwoher es dann auch geschiehet/ daß in den wäidcrn vfft weniggesunde bäume angetroffenwerden, ja gantze HMungen ver-derbe» und zu gründe gehe»/ zu grossem schaden der Herrschaftund des gantzen landes. Denn daß die baunrc so woh!, alsdie menschlichen leider sielen zufallen und kranckhcfteu un-terworffc« sind, ftlches ist bekandt gnug; es hat aber auchdie gütige natur uns mittet gmig gegeben, denselben entwe-der vorzubeugen, oder abzuhclssen, daher» nun, wann sol-ches von uns nicht geschiehet , wir selbst die Verantwortungund schuld dessen haben. Es muß aber ein bäum, der wohlwachsen, und vornehmlich der frucht tragen soll, sonderlichwohl gewartet werde», dann , ivanuer nicht zu rechter zeitzereiniget, behauen, gedüugct, begossen wird, u.s.w. esnicht mir um leinen Wachsthum und ftuchtbarkeit, sondernum oen bäum selbst leicht geschehen seyn kau. Einige bäumefind von solcher ftuchtbarkeit, daß sie sich innerhalb wenigfahren durch vieles frucht tragen selbst verderben und verzeh-rcmDiesem abzuhelffen muß man ihub den gipfel,oder die ästeim monat Martio zwey oder drey tage nachdem Neumondeum die hclsste abkürtzen,und ihnen 2 . biß;. jähr lang die knos-pe ausbrechcu, worrräch sie sich wieder erholen und verjüngen.Will aber ein bäum nicht tragen) und-ist doch babenjung undstarck, so rühret solches genwiniglich von einer übcrflüßigenftuchtigkeit her, weswegenmandcn baum imMertz, Apriloder May am stamme, oder etwas über der wurtzel, biß aufsmarck ein oder mehrmahl anbohret, damit die ftuchtigkeitheraus flieste, wann solches geschehen, verpflöckt man ihnwieder mit einem frischen hagedsrn-zwecklei». Wenn- sonsteines baums gewöhnliche ftuchtbarkeit umschlägt, so räu-met man ihm biß zur Hcrh-wuchel, ist selbige frisch, so spal-tet man sie, als wodurch der bäum iusst bekömmt, und wie-der fruchtbar wird; Ist sie aberserfaulet, so hauet man sieam frischen oct ab, und vermacht sie wieder mit guter erde.Die Wartung der bäume soll, nach des vorgeben, L»-von Athen zuerst erfunden haben. Die bäume, sozu gräntz-mahlen aufdem ftldc, oder an den flüßeu zu befthü-huiig ihrer ufere, oder zu öffentlichen spatzier-gäugenvon derDbrigkcit gcsitzet werden, darffnieinand bey hoher geld- oderwvhl.aiach befinden der fache, bey harter leibcs-straffe beschä-digen. Denen baum-vbst-und garten-diebc» legen die rechteund verschiedlichelands-übliche satzungcn auch unterschied-liche straffen auf Änd damit unter den Nachbarn wegendes Überhangs der obst-bänme in eines andern garten, Hof,oder bodeu, kein zanck und streit entstehen möge, so »rinde»rechten ausgemacht, daß das überhängende obst dem Herrndes grundes, nach weichem es herüber hänget, zukomme.

->Kc>hb. Elsh.

Baum, Etliche siarcke hölker, mit kettm anein-

ander gehängt, welche an dem ei ngang eines Hafens oder übereinen ström vorgezogen, und die fahrt dadnrchgespen'ct wird.Der bediente, so zur bewahrung desselben besieller ist, wirdder baiim-schlreffeu genennct.

Baum, ^ebe-baum: Veäki», Lev/e,-. Eine von gmemhartem hvltze nicht gar lange,aber dicke stauge, welche die z>m-merleute, stein-meyen und dergleichen zu svrtbrüngung groß-scr lasten von einem ort-um andern sehr nützlich gebrauchenkönnen.

Baum, sihlag-baum : Veäkis remitlarieix, RlspaAulum:Ls-r-Zc- r-, Ist ein grosser balcke, weicher bey den

thoren, brücken, zoll-häuftrn auf und nieder gezogen und desnachts verschlossen werden kan, um dadurch die reisende an-halten,befrage» und des abtrags des zollcs crimmn zu koste».

Aaum-Üsne, Ist zwar ein stauven-gewächs, das

bau

aber durch fleißiges beschneiden zum bäume kan gezogen wen-den. Seine blätter find längliche, oben grün , untenherweißlicht, und sitzen ihrer je drey und drey beysammen. Eshat gelbe blute, und gewinnt lange schote», worinn die bvne- sitzet. Man hat zweyerley arte» dieses gcwächfts, die voneinander durch nichts anders unterschieden sind, als daß dieeine art ßinckendeblätter hat, die andere abcr nicht. Elsh.Schrob.

Lrcliiceötiio,

Ist derjenige, unter dessen anführung die bau-Ieutc nach demihnen gegebenen gnind-und aufriß ein gebäude aufrichten.Eilt guter bau-mristec muß nichts angeben /davon er nichtUrsache und grnnd anzeigen könne. Auch ist zu einem voll-kommenen bau- meistcr nicht gnug, daß er die hand-werckeeund arbeits-lcnte recht wisse anzuführen, oder die Materia-lien an ihren rechten ort hin-und anzubringen; sondern ermuß auch in derkkiftotta, kst^stcs, darbet,, Mahlerey,Bildhauerey, ?ueii, 8)-rnt>olica und kkerslciics oder wa-pen-kunst wohl beschlagen seyn. Italien, als woselbst diebau-kunstvonundcnckiichen zeite» an am meisten gcbiühet,hat jederzeit die vvrtreflichsteu nnd berühmtesten bau-meistergehabt z derer sieh auch Frauckreich seither einiger zeit rüh-met, nunmehr abcr mich Tcutschiand jenen hierunter wenignachzugeben hat.

Bau-meister, Läitft, L-W. Uneinigen orten werden g«-wiffeglicderimöÜLgitkrsr ausgemachet, die vor erbau-undbessecung der dem rath zustehenden gebäude sorgen müssen,wie auch die in bausachen vorfallende streitigkcitcn zu ent-scheiden haben , und diese werden bau-Herrn oder bäu-me,ster genannt,

Baum-falcke, s. Falcke.

Baum-ganst, Lerwicls, Lrrnar/e. Eine art wilder Gänse,die fthwartz und aschen-sarbicht aussehen. Sie halten sichhäuffig an den Schottischen meer-uftru auf, und weil mansie daselbst nicht brüten gesehen, hak man geglaubct, daß sieauf den bäumen wachsen. Allein die fleißigere forscher dernatur haben gefunden,daß ci» so vollkommenes thicr änderstals aus seinem stramm und durch seines gleichen nicht könn«erzielet werden, daher sie solch vorgeben in zweiflet gezogenund andere Ursachen ihres Ursprunges gcsuchet. Die niuth-^ massuW des fleißigen dörfftc hie wohl am besten zu-

treffen , daß nemiich von denen eyern, so von allerhand was-str-vögcln auf den kleinen unbewosntenInseln um Schott-land gelezct, etliche durch aufschwellen ocrflnrhen bey sturm-windcn weggeschwemmet, an die User in Schottland ge-trieben , und daselbst durch der sonnen wärme vollends aus-gebrütet werden.

Baum-narte» , Obst-garten: pomorium, S-r-

Ist ein solcher, worin» man nichts als frucht-bare bäume sitzet, weswegen man denn bey aiipfiantzungeines baum-gartcns auf nichts mehr, als auf eine» gutengründ zu sehen hat. Den» nicht ein jedwedes erdreich istznm gasten bequem gnng, sondern die erde muß fthwartz,mürbe und fett seyn; ist aber das land , so man zum banm-garten haben will, nicht also beschaffen, sondern leimig, san-dig , steinig, sumpfig n. st w. so muß man die leimige erdemit sandiger, diese aber mit jener oder mit schwartzcm erd-reich, mist, schlämm, u.d. g. vermischen. Ein steinige,boden muß von seinen steinen gesäubert, ein nasser aber vonfeiner übrigen ftuchtigkeit durch gräben, worinn steh dasschädliche wasser sammlet, befteyct werden. Man legt beyuns und allen Nord-ländern d,e baum-gärtc» gerne gegenmorsen und mittag a», gegen Mitternacht zu verwahret mau