7 —— 12 . Wie tief aus dem menschliche» Herzen undErfahrung herausgesprochen! welche wahre, lichte, reine Psy,chologie! — Es giebt eine Periode in jedem menschlichenLeben , wo die Enrwiklung der Vernunftkra'fte und das Aufwa-chen des Doppelgesezes, des Adams und Christus in uns ,Gebothe und Verbothe unumgänglich nothwendig mache»;diese weken dann nach der Einrichtung der menschliche» Naturdie Sünde noch mehr auf, geben den Lüsten der Sinne Schär-fe und Nahrung, daß sich Reiz, Verschuldung und daherquil-lendes Elend mit jedem neuen Gese; mehret, der Mensch täg-lich wankender, zerrissener wird. Der traurige, dunkle Wi-derspruch löset sich nur durch das von Paulus ergriffene undrntdekte Geheimnis des göttlichen Ratschlusses, „die Sünde„sollte überflüßig werden, damit die göttliche Gnade noch viel„überflüßiger würde. Gott beschloß alle unter die Sünde, auf„daß er sich aller erbarme —" in Licht und allberuhigendeWeisheit und Liebe.
„Aber warum denn Gebothe und Verbothe, wenn sie'S„sind, die der Sündenlust lebendiger« Trieb und Macht geben ?"Darum, weil dieß prädestinirte Cntwiklung der Menschheit ist,ihr Naturgese; und zu ihrer vollendeten Bestimmung einziger
Weg- kurz weil der Mensch Mensch und nicht Vieh,
oder Stein ist. Durch Unruhe muß er sich zur Ruhe, durchKamvf zur Sicgeskrone durchringen.
i;-25. „Damit wird kund und bestätiget, dass
„ihm niemand kann selbst aus Sünden zur Gerechtigkeit helfen,„so wenig er kann wehren, daß er leidlich gebähten wird.„Das wird auch damit beweiset, daß das göttliche Gesez, das„doch billig helfe» sollte zur Gerechtigkeit, nicht allein ohne„Hülfe kommen ist, sondern hat auch die Sünde gemehret,„darum daß die böse Art ihm desto feindet wird und ihre Lust„desto lieber büßen will, je mehr ihr das Gesez wehret. Daß,,also das Gesez Christum noch nöthiger macht und mehr„Gnade fordert, die der Natur helfe." Luthers Vorrede.
D 5 Christus,