» lieben Bruder, o ihr alle, ihr edlen, hochfühlende»Menschen —- stimmt die Sprache herunter. Sichselbst viel vermessen, * und andern darnach ihre Sen-tenz machen ist nicht gut; es traf sich etwa, daß ichverachtend ausrief: ein schlechter Mensch! — unddann lispelte mir mein warnender Genius zu, daß ichselbst Tags vorher eben das gethan hatte, oder ichthat noch denselben Tag, was ich verachtend als mei-nem Wesen heterogen von mir weggestoßen hatte.Gott bewahre mich gnädig dafür, aber ich will gewißnicht mehr sagen, daß ich nicht fähig sey, jemahlsan der Wahrheit ein Schurk zu werden. So lan-ge mich nur zum Erempel der bloße Gedanke an eineWundarzt-Operation ohnmächtig macht, und so lan-ge brennend Spanischwachs auf die Hand getröpfeltmir einen Schrey auspreßt, oder ich will nur sagen,so lange nur der Abbruch von zwey Stunden Schlafs,oder die Aufopferung eines warmen Favoritgetranksmich Kampf kostet, o so will ich fein demüthig seyn,und jeden, der in gleichem Fall ist, bitten, es auchzu seyn. Des Prahlens und Richtens ist doch gar z»viel, und, ehe der Hahn krähet, ist die göttlichsteWahrheit dreymahl verläugnet.
Aber ja, das kann ich denn auch nachempfin-den, wie so ein tiefer Fall einem Menschen Kraft,N Z Stärke,
* O daß ihr seiner nicht vergehtund euch nicht allzuviel vermeßt:
Gott lacht der größten Stirn und Nas,
Die närrisch meint, sie sey etwas:sagt ich einst einem liebe» Brautpaar.