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welche sodann den ganzen Stock wieder voll arbeiten.Durch diese Art den Honig auszunehmen wird keineViene gctödtet. Sie schienen übrigens sehr ruhigund irr Friede und Ueberfluß zu leben. Ich hattedaher meinen Scherz mit ihnen über den Ausspruch,den sie auf ihren Orden deuten: „Nikü llakemes eromnjg ksbenres,,, als diejenigen, die nichts habenund doch alles haben.
Ich gieng mit ihnen in das Chor. Ihr Got»tesdienst wurde mit vielen Anstand verrichtet, undder P. Iulio spielte auf der Orgel. Bey dem großenAltar ihrer Kirche ist ein Tabernakel, welchen einReligiöse in Holz geschnitzt hat. Es ist ein Stückvon vortreflicher Arbeit. Ein genuesischer Herr hatihnen einen silbernen davor angeboten; sie haben ihnaber nicht vertauschen wollen.
Diese Religiösen haben keine Bibliothek, dieetwas bedeutete; hingegen ist ihr Kloster groß undwohl gebarret. Ich sahe mich sorgfältig um, ob ichvielleicht einige Aufschriften entdecken könnte; alleinich fand nur eine einzige und zwar an einem kleinensehr nöthigen Gebäude:
Line neceüicste non innere,
(znik neceUärir lumns.
Ein solcher gereimter lateinischer Gedanke aneinem solchen Orte schien mir in der That sehr ab-geschmakt zu seyn.
Ich verweilte mit Fleiß einige Zeit zu Corte,theils um von meiner beschwerlichen Reise auszuru»hen, theils auch um alles merkwürdige um Corteherum in Augenschein zu nehmen.