zo6 Tagebuch
Ich erzählte dem Paoli verschiedene Reden desHerrn Johnsons, die wegen ihres starken Ausdrucksund eigenthümlichen Witzes sehr merkwürdig sind.Es fallen mir itzt zwo derselben ein.
Da ich dem Herrn Johnson erzählte, wie eingewisser Schriftsteller in der Gesellschaft hatte be-haupten wollen, daß kein Unterschied zwischen Tu-gend und Laster sey, so sagte er: „Nun, mein„Herr, wem der Mensch nicht so denket, wie er re-ibet, so ist er ein Lügner; und ich sehe nicht, was„er sich dabey für eine Ehre einbilden kann, den„Charakter eines Lügners zu haben; wenn er aber„wirklich denket, daß kein Unterschied zwischen Tu-„gend und Laster sey, so lassen Sie uns, wenn er„aus unsern Häusern gehet, unsere Löffel zählen,,.
Eben so sagte er auch von den neuen Freygei-stern und Ungläubigen: „Mein Herr! diese sind„alle sehr eitle Menschen, und wollen sich auf Ieder-„manns Unkosten lustig machen. Die Wahrheit„kann ihrer Eitelkeit nicht genügsame Nahrung Ze-ichen, deßwegen haben sie sich mit dem Irrthum„eingelassen. Die Wahrheit, mein Herr, ist eine„Kuh, welche solchen Leuten keine Milch mehr ze-ichen will, so daß sie hingehen und den Ochsen mel»„ken wollen,,.
Ich empfand eine besondere Freude, als ichsahe, daß Paoli über die Reden des Herrn John-sons so vergnügt war, und sie, den corsischen Hel-den zu gefallen, mit italiänischem Nachdruckübersetzte.
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