zrr Tagebuch
Es ist dieses ein Buch, welches man mit mehrernVergnügen und Nutzen als die Werke derer lesenkann, die sich bemühen, unsern Glauben auszurvt-tcn. Der Glaube gereichet dem menschlichen Ge-wüthe zu einem großen Nutzen, und verschaffet dem»selben wenigstens eine beständige Unterhaltung. EinFreygeist aber muß, meiner Meynung nach, oftlange Weile haben, und verdrießlich werden.
Es war vielleicht bloße Verstellung, wenn So-krates sagte, daß alles, was er gelernet hatte undwüßte, darinne bestünde, daß er nichts wüßte. Esist aber gewiß ein Kennzeichen der Weisheit, deneingeschränkten Umfang der menschlichen Kenntnißzu wissen, die Wege Gottes mit Ehrerbietung zuuntersuchen, und nicht aus Stolz eine iede Mey-nung zu verwerfen, welche verständige und gelehrteMänner angenommen haben, weil es der Unglaubezum Deckmantel der Betrügerey'gemacht, oder emeMenge von Erdichtungen darauf gebauet hat.
Der alte Fcltham saget: „Man muß nicht auf„jeden Traum achten; sie sind aber auch nicht alle„zu verwerfen. Ich wollte weder ein Stoiker, und„abergläubisch in allem; noch auch ein Epikurer,„und unachtsam auf alles seyn,, *). Er bemerkethierauf, wie viel die Alten auf die Auslegung derTräume gewendet, und fetzet hinzu; „wäre es nicht„um des Evangelii willen, daß man über die Eitel-„kcit der Menschen so sehr klaget; so würde es gewiß
*) Uctlltves, Lpnr. I.