Band 
Erster Theil.
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48 i. Des Abts Boissy Abhandlung

gab es noch eines, welches alle fünf Jahre gehalten ward,um alle Bürger der Stadt auszusöhnen: und dieser Zeit-raum hieß l.ulinnn, von dem Worte lulirare, aussöhnen.Es gab auch noch andere Gelegenheiten, bey welchen mandiese feyerlichen Aussöhnungen vornahm, dergleichen wareine, als man die Tarquimer verjagt hatte, wie wir sol-ches vom Dionystus von Halikarnaß erfahren. Manunterwarf nicht nur die ganze Stadt den Aussöhnungen;sondern man bediente sich derselben auch bey ganzen Ländern,wenn man sie für beflecket hielt. Die Aussöhnung derKreuzwege hieß Lomxitslia.

Die Athenienser hatten den Aberglauben noch weitergetrieben als die Römer. Denn außer dem zur Aussöhnungder Stadt angesetzten Tage, an welchem sie die unmenschli-che Gewohnheit hatten, einen Mann und eine Frau zuopfern, so hatten sie auch noch Aussöhnungen für die Schau-plätze und für diejenigen Oerter bestimmet, wo die öffent-lichen Zusammenkünfte gehalten wurden. Selbst das Feldwar von diesen Aussöhnungen nicht frey, die man bey denRömern ^.inbervalia nannte.

Die fünfte Art von Aussöhnungen endlich war dieje-nige, die die Kriegsheere betraf, welche vor uüd nach derSchlacht ausgesöhnet wurden; daher man sie auch ^rmi-lullrium nannte. Homer beschreibt im ersten Buche derIlias, die feyerliche Aussöhnung, welche Agamemnonmit seinem Heere vorgenommen. Die Zahl dieser Art öffentli-cher Aussöhnungen indessen, kömmt gar nicht an die MengeLerer, die ein jeder Privatmann vornahm, und man wür-de nicht fertig werden, wenn man sich in diese Sache ein-lassen wollte Es konnte weder eineHochzeit nochBegrabnißseyn, noch sonst etwas geschehen, das von einiger Erheblich-keit war, wo man nicht allemal zuvor die Ceremonien derAussöhnung vornahm. Alles was in dem Rufe stand,daß es eine üble Bedeutung hätte, der Anblick einer Wie-sel, eines Raben, oder eines Hasen, ein unverhoffterSturm, ein Traum, und hundert andre Zufälle, zwangen

damals