von den Menfcherwpferurigerr. 55
Und wenn die Opferung des Iephta das Urbild derOpferung der Ipyigenia seyn soll: fo darf man billig glau-ben, daß se even nicht ernstlicher vollzogen worden, unddaß sie nur durch die Emsperrung der Tochter geschehen;wie auch die meisten christlichen und jüdischen Ausleger glau-ben. Das Beyspiel des Königes der Moabrrcr, der miteigner Hand seinen Sohn auf den Mauren der Hauptstadt,vor den Augen der Könige von Iffael undJuda, erstach,scheint zwar deutlicher zu seyn. Allein dieß geschah von ei-nem Menschen, der in Verzweifelung gerathen war; derenwahre Ursache aber der heilige Schriftsteller nicht erkläret.Vieleicht war es eine Strafe für irgend einen Verrath sei-nes Sohnes, dessen Verständniß mit den Feinden er et-wa entdecket haben mochte; oder vieleicht wollte er diesenFeinden nur seinen standhaften Entschluß beweisen, er wollealles, bis auf das äußerste ertragen. Der Ausgang wiesauch, daß diese vorgegebenen Menschenopfer damals nichtso gewöhnlich gewesen, als man meynet; indem diese zweenKönige davor dermaßen erschrecken, daß sie sogleich die Be-lagerung aufhoben.
Was die berühmten Opfer betrifft, die man demBaal und Msloct) brachte, von denen das gemeine Vor-urtheil will, daß bey denselben die Väter selbst ihre eigenenKinder zum Brandopfer bringen muffen: so erklären dieRabbinen Jarchi, Mmchi, undMarmonides, in ihrerUeberseßung des Talmuds, solche durch einen bloßen Durch-gang durchs Feuer: blttuguoäwmburebnnt ipsos, fest tau-ttun traclucebant illos per lAnem.
Thaten aber ja die Heiden bey gewissen Vorfallen et-was mehrereö, und geschah eS zuweilen bey ihnen, daß siewirklich ihre Altäre mit Menschenblute besudelten; so ge-schah dieses doch, nach dem Herren Morin, nur durch Be-sprengung, und ohne daß es jemanden das Leben gekostethak. Die heilige Schrift stellet uns die Priester des Belövor, wie sie mit lauter Stimme ihren Göhen besingen undsich selbst Wunden schneiden: und sie riefen laue, und
D 4 ritze-