Band 
Erster Theil.
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von dem Alterthume der Malerey. 8Z

Augen und des Verstandes dienet. Das Vergnügen, wel-ches aus der Nachahmung, und gleichsam aus einer Art vonWiederhervorbringung und Vermehrung derselben Gegen-stände entspringt, hat seinen Grund in uns selbst: allein die-ser Grund ist nicht so leicht zu errathen. Vieleicht hängter einigermaßen mit dem so geheimen und so natürlichenVergnügen der Unsterblichkeit zusammen, welches die göttlicheVorsehung nicht nur dem Menschen, sondern überhauptallen Wesen, die einer Empfindung fähig sind, einge-präget hat.

Die Dichtkunst, die sowohl als die Malerey, eineTochter des Vergnügens ist, hat gleich ihr, nur das Ver-gnügen zum Endzwecke. Nun hat zwar in der Folge derZeit die Tugend, um den Menschen einen angenehmern undlebhaftem Eindruck zu machen, die Regungen dieser zwoSchwestern entlehnet: eben wie Homers Juno den Gür-tel der Venus borgete,um den Augen ihres Jupiters destoliebenswürdiger vorzukomen. Wenn also dieTugend versuchethat, den Werth der Dichtkunst und Malcrey aufdicseWeise zuerhöhen; so ist dieß eine Wohlthat, die diese zwo Künste nurihr zu danken haben, und die ihnen im Grunde ganz undgar fremde ist.

Sie haben beyderseits einerley Endzweck, und suchen anund für sich selbst nur zu gefallen. Die Nothwendigkeithat sie auch nicht hervorgebracht, und sie haben derselbenihren Ursprung nicht zu verdanken: man müßte denn auseiner sehr gewissen Muthmaßung sagen, daß die Nothwen-digkeit des Vergnügens, in unsern Seelen nicht minderstark und wirksam sey, als dasjenige, was nran sonst schlech-terdings Nothwendigkeit nennet; wenn man dieses Wortin einem nicht so edeln und in genauern! Verstände nimmt.Und unfehlbar ist es in dieser Absicht geschehen, daß So-krarcs in plarons Görrermahle, der Liebe die Dürf-tigkeit zur Mutter giebt.

Diese Aehnlichkeit, diese so ausdrückliche Verschwiste-rung, geben dem Verfasser Gelegenheit, im Vorbeygehen

§2 jU