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zu untersuchen, ob die Dichtkunst, oder die Malerey ältersey? Man giebt zu, daß sie Schwestern sind. Sie ha-ben auch einerley Absichten: die Mittel, die sie erwählen,um zu ihrem Endzwecke zu gereichen, sind einander auchähnlich, und weichen nur dem Gegenstände nach von einan-der ab. Malet nämlich die eine für die Augen, bähnet siesich durch die Augen einen Weg, um den Verstand zu rührenund ihm zu schmaucheln: so malet die andere unmittelbarfür den Verstand, und erfüllet ihn, durch den Eindruck,den sie auf denselben machet, dermaßen; daß dieser Ein-druck bis in die Sinne geht, sogar, daß er dasjenige zu se-hen scheint, was er sich doch nur einbildet. Allein die Ma-lerey zieht die Seele an sich und nimmt sie durch Beyhülfeder Sinne gefangen; und vieleicht ist dieß im Grunde daSsicherste Mittel, sie an sich zu ziehen und zu fangen. Siebedienet sich der Macht aller Sinne, unter denen das Gesichtder lebhafteste und geschwindeste ist; und folglich hat sie,den Augenblick da sie sich zeiget, auch ihre Wirkung gethan.Die Wirkung der Dichtkunst hingegen ist langsamer undnicht so allgemein. Eine auserlesene Schilderey gefällt al-len Menschen, ja die Thiere selbst sind, nach ihrer Art, da-bey empfindlich. Alles was Augen hat, wird dadurch gerüh-ret; dahingegen die Dichtkunst, welche keine andern Rei-zungen hat, als die Worte, auch nur diejenigen Menschenrühren kann, die den meisten Verstand haben, und die Spra-che vollkommen verstehen, deren sie sich bedienet.
Welches ist denn nun aber die älteste von diesen Schwe-stern ? und was kann man bey der Finsterniß entfernterZeiten, darinn sie ihren Ursprung genommen, wohl für si-chere Wege erwählen, um zur Kenntniß ihrer Geburt zu ge-langen , und hernach einer von diesen zwo Schwestern denVorzug vor der andern zu geben? Weil die Denkmälerdes Alterthums uns nichts davon lehren, so muß man eini-germaßen bis auf die ältesten Zeiten zurücke gehen, und dieMenschen in demjenigen Zustande betrachten, darinnen siegewesen, als sie noch in voller Unwissenheit waren, und zu-