von den Riesen. IZ9
Es ist nicht schwer gewesen, alles, was die übrigenSchriftsteller von den Riesen berichten, auf einen eben sovernünftigen Sinn zu bringen: da die meisten von ihrenZeugnisse», sich nur auf falsche Nachrichten, oder auf un-getreue Erzählungen stützen.
Wenn der Abt Ttlladet indessen hierbey keine andereAbsicht gehabt hätte, so würde seine Abhandlung vieleichteben nichts neues in sich enthalten; allein er denket vondieser Sache auf eine andere Art, die ihm ganz eigen ist.Er glaubt nicht nur, daß es wirklich Riesen gegeben, son-dern daß es so gar ganze Riesenvolker und Riesenstädte ge-geben ; daß unsere ersten Aeltern dergleichen gewesen; in-sonderheit aber die hauptsächlichen Anführer der ersten Völ-kerzüge. Nach diesem Lehrgebäude muß Adam ein wahr-hafter Riese gewesen seyn; und dieses ist ein Vorrecht, wel-ches man ihm um so viel lieber einräumet, da man sich be-strebet, aus physikalischen Ursachen zu beweisen, daß derVater und die Mutter der Riesen, selbst Riesen seyn müs-sen. Man könnte aus den Rabbiner» sehr seltsame Ursachenvon dieser Materie entlehnen: allein man ist so verständiggewesen, daß man diese Wahrheit vorausgesetzt hat, ohne fer-nern Beweis davon zu geben, als die Unmöglichkeit, daßeine Mutter, die selbst nur s oder 6 Schuh hoch ist, ein Kindbey sich tragen soll, welches, da es zu einem Riesen bestimmtist, wahrscheinlicher Weise bereits wenige Tage nach derEmpfängnis;, zum mindesten schon 5 bis 6 Schuh ha-ben muß.
Wofern nun Adam ein wirklicher Riese gewesen; sohaben die Patriarchen gewiß eben dasselbe Vorrecht gehabt:und man sieht nicht, wie z. E. Noah, die Arche andershätte bauen können, worinnen das ganze menschliche Ge-schlecht von der Sündfluth errettet worden; und welchenicht einmal fähig gewesen wäre, alle Thiere zu fassen, dieer hinein nahm, wofern man die Ellen, deren die heil.Schrift erwähnet, mchr für Riesenellen annimmt. Mansieht auch nicht, wie die Baumeister des babylonischen
Thurns,