von den römischen Tempeln. 227
Einige schreiben die Erbauung der ersten Tempel inItalien dem Janus zu, bey dessen Anrufung sich alle Opferanfiengen ; andere aber dem Launus, daher das Wortksnnm kömmt. Diese ersten Tempel waren allem Anse-hen nach nichts, als geheiligte Wälder; indem nachVarrons Berichte, die Römer sich hundert und siebenzigJahre ohne Tempel beholfen haben. Es müssen also ver-muthlich des fererrischen Jupiters und Jupiters Sta-tors Tempel nicht geweihet gewesen seyn, und des JanusTempel ist nur als ein Denkmaal der Vereinigung zwischenden Römern und Sabinern anzusehen, in welchem dieBildseule dieses zweyköpfichten Gottes, nur ein Sinnbildwar, so wie sie es auch vom Frieden und Kriege war.
Die zu der Erbauung eines wirklichen Tempels erfor-derlichen Gebräuche, waren, das Ansehen der Gesetze, dieBeobachtung der Vorbedeutungen, und die Feyerlichkeitender Einweihung.
Eine Obrigkeit die einen Tempel zu bauen angelobethatte, zog die Republick, nicht ohne deren Einwilligung,mit dazu. Wenn die Erbauung des Tempels im Senatebeschlossen war, so ward ein Gesetz oder ein Schluß des Volkszur Ausführung deö Vorschlages erfordert. Unter den Kai-sern aber galt ihr Wille statt aller Gesetze.
Nachmals fragte man die Vogeldeuter um Rath, diesich auf Verordnung der Zweymanner, das heißt, dererzu Ausführung des Werkes ernannten Bevollmächtigten,versammelten. Die Vogeldeuter, fiengen bey der Aussu-chung des Grundes und Bodens an, wobey sie auf die Na-tur und Verrichtungen desjenigen Gottes acht hakten, demder Tempel geweihet werden sollte. Nach des VitruviusAnmerkungen, mußten Jupiters, der Juno und Mi-nerva ihre Tempel auf Höhen erbauet werden, weil dieseGottheiten über alle Geschäffte deö Staats die Aufsicht hat-ten ; derer sie sich besonders annahmen. Merkur, Isis,und Gerapis, als Götter des Handels, hatten ihre Tem-pel nahe an den Märkten. Mars, Bellona, Vulkan
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