4zo i.xxv. Thorms Corneillens
und diese Ehre, welche die Gleichheit beyder Brüder vollkom-men zu machen scheint, war allein fähig, des Herrn Cor-neille Thränen zu hemmen. Man kann keine mehrere Er-kenntlichkeit blicken lassen, noch dieselbe beredter ausdrücken,als er in derjenigen Rede that, die er den Tag seiner Auf-nahme hielt. Allein was die Feyer dieses Tages noch be-sonders erhob, das war die Art, mit welcher Herr Racine,damaligerDirector der Akademie, auf diese Anrede antwortete.Nachdem er die Art von Chaos beschrieben, darinnen diedramatische Dichtkunst sich befunden, als der ältere HerrCorneille, durch beständiges Widerstreben mit dem damali-gen Übeln Geschmacke, die gesunde Vernunft wieder auf dieBühne brachte, und sie auf derselben mit aller Pracht undallen Zierrathen aufführeke, deren sie nur fähig war, sagt er,indem er das neue Mitglied anredete: Sie hätten ihm,mein Herr, viel bester als ich, die billige Ehre erwei-sen können, die er verdient, wenn sie nicht besorget hät-ten , daß, indem sie das Lob eines Bruders verferti-gen möchten, mit dem sie so viel Gleichheit haben,es scheinen möchte, sie wollten sich selbst loben. Erseht hinzu, daß eben diese glückselige Gleichheit ihm die Ein-hälligkeit der Stimmen erworben, um seine Stelle zu be-kleiden, und der Akademie zugleich mir dem ITlamen,eben denselben Geist, dieselbe poetische Entzückung,dieselbe Bescheidenheit und dieselben Tugenden, zu ver-schaffen. Welch ein Gewicht hatten diese Worte nicht indes Herrn Racine Munde? denn er redete von seinenNacheiferern.
Damals nahm sich Herr Corneille bey seinen Arbei-ten den allgemeinen Nutzen zum Augenmerke. Er unter-nahm eine neue Ausgabe der Anmerkungen des Vaugelas,mit Noten, die den Verstand jedes Artickels erleichtern, unddie in der Spräche, seit der Verfertigung dieser Anmerkun-gen , vorgefallenen Veränderungen erklären sollten. DießWerk kam zu Anfange des Masten Jahres in zween Duo-