Band 
Zweyter Theil.
JPEG-Download
 

42 VI. Boivin von der königlichen

dasjenige zu nehmen, was man zu brauchen denkt, und daȟbrige zu verwerfen.

Er verneinet, daß man den Schriftstellern in allemglauben müsse, waö sie sagen; man glaubt ihnen in demwas wahr ist; und widerlegt sie in dem was falsch ist. Esgiebt hier ein gewisses Maaß. Mancthon redet die Wahr-heit, wenn er mit der Bibel übereinstimmet; aber manmuß ihm alle Umstände verneinen, die sich mit der heiligenSchrift nicht vergleichen lassen: er ist in der Haupt-sache mit ihr richtig: das ist genug. Die besten Geschicht-schreiber pflegen sich in gewissen Umständen zu bekriegen.Selbst die biblische Chronologie scheint oftmals ab-zuweichen.

Der andere Einwurf des Herrn Banker ist dieser,daß Josephus in seinen Alterthümern, keine Erwähnungder königlichen Hirten gethan, sondern nur in seinen Streit-büchern wider den Appion: er habe also nicht im Ernstegeglaubt, daß die königlichen Hirten Hebräer gewesen, under sagte solches nur, um seine Gegner zu verwirren.

Auf diesen Einwurf erwiedert man, daß ein verneinen-der Beweis, einen bejahenden nicht vernichten könne. DasStillschweigen beweise nichts, und kein Schriftsteller seyverbunden, eine Sache vielmals vorzutragen.

Aber, sagt man, wie ist es möglich, daß Josephusin seinen Alterthümern vergessen haben sollte, von einer sei-nem Volke so rühmlichen Sache zu reden? Herr Boivinantwortet, wie zuvor, Josephus hakte schon in seinen Bü-chern wider den Appion davon geredet, und sich also eineEhre daraus gemacht; ja, wenn man eine Muthmaßungwagen börste, so schließt er, Josephs Stillschweigen vondieser Sache komme daher, weil die königlichen Hirtenzur ägyptischen und nicht zur hebräischen Geschichte gehö-ren. Gleichwohl ist es wahr, daß die ephraimitischen Kö-nige, in gewissem Verstände, auch zur hebräischen Ge-schichte zu rechnen sind; allein, würde wohl ein großes Un-heil daraus entstehen, wenn man sagte, Josephus habe

vieleicht