von der Gastfteyheit. 57
Die alten Deutschen, Gallier und Celtiberier,die atlantischen Völker, und fast alle Nationen der Welt,beobachteten ebenfalls die Vorrechte der Gastsreyheir mitder gewissenhaftesten Strenge: und die Indianer sogarhakten eine eigene Obrigkeit gesetzt, die den Reisendenalle nöthige Lebensmittel schaffen und für ihr Begräbnißsorgen mußte, wofern sie im Lande stürben. Wenn Ho-mer sagt, daß die Aethiopier die Götter aufgenommenund etliche Tage lang herrlich bewirthet; so zielet er son-der Zweifel auf ihren Gebrauch, die Fremden gut aufzu-nehmen. Selbst Heliodor lobet sie besonders deswe-gen, daß sie die Gastfteyheit ausgeübet.
Nunmehr wollen wir etwas von den Gebräuchender Gastfteyheit sagen. Sobald man vernahm, es seyein Fremder angekommen, so gieng der, so ihn aufneh-men sollte, ihm entgegen; und nachdem er ihn gegrüßt, undihn Vater,Bruder oder Freund genennet; welche Titel ermehr nach dem Alter als Stande einrichtete, so both er ihmdie Hand, führet« ihn ins Haus, hieß ihn niedersetzen, undsetzte ihm Brod, und Wein und Salz vor (I). Dieseswar eine Art von Opfer, was man dem gastfreyen Ju-piter brachte. Die Morgenländer wuschen vor der Mahl-zeit ihren Gästen noch die Füße; und dieser Gebrauchwar sonderlich unter den Juden üblich: wie denn auchunser Heiland den Pharisäern die ihn zu Gaste gela-den, verweiset, daß sie es verabsäumet hätten. Selbstdas vornehmste Frauenzimmer unter den Alten, gab sichihrer Gäste wegen, diese Mühe selbst. Die Töchter/ desRokalus, Königs in Sicilien, führten den Dädalusins Bad, wie Athenäus erzählet (2); und Homer füh-ret in der «Odyssee verschiedene andere Exempel an, daer von der LTlaustkaa, polykasta und Helena redet.Auf das Bad folgte das Gastmahl, wobey nichts gespa-ret ward, die Gäste zu belustigen. Die Perser trieben
D 5 die
lüic. pro vciotsro.
(r) 1-lb. X.