Band 
Zweyter Theil.
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von den Vorrechten der rechten Hand. 85

weggejaget, weil sie links gewesen. Doch dieß ist nichtdas erste mal, daß ein herrschendes Vorurtheil, welchessich auf die Gewohnheit gründet, das Vorrecht über dieNatur und gesunde Vernunft gewonnen.

Zu allen diesen Beweisen kann man noch das Bey-spiel der ncuentdeckten Völker, und im Nothfälle, auch dasErempel derer Thiere hinzufügen, die die Ehre haben,uns auf die garstigste Art so ähnlich zu seyn. Manweis nämlich, daß alle beyde, von diesen zweyen Werk-zeugen, ohne alles Bedenken und ohne Unterschied, einerleyDienstleistungen erhalten. Und wie viel Leute sieht manüberdieß nicht täglich, die das Unglück gehabt haben, dierechte Hand zu verlieren: deren linke Hand aber alle Ver-richtungen, die sonst noch so genau der rechten allein vorbe-halten sind, überaus wohl bewerkstelligen; nicht einmaldas Schreiben und Malen davon ausgenommen. Hierausnun läßt sich leichtlich der Schluß machen, daß, dem Vor-urtheile und Ansehen ungeachtet, und wenn man bloß dieNatur zu rathe zieht, die linke Hand im mindesten nichtschlechter sey, als die rechte.

Im bürgerlichen Rechte scheint die Sache etwasschwieriger zu seyn. Man kann nämlich nicht leugnen, daßnicht eine fast allgemeine Gewohnheit der rechten Hand gün-stig sey. In unserer und aller Völker Sprache klingt schonalles böse, was links ist: dahingegen die Dexrerirat alleAnmuth des Geistes und Leibes in sich fasset. Alle ehren-volle Vorrechte, scheinen unveränderlich mit der rechtenHand verknüpfet zu seyn, und zwar nicht nur in dieser, son-dern sogar auch in jener Welt: da es gewiß ist, daß dierechte Seite für die Auserwählten; die linke aber für dieVerdammten, bestimmet ist. Gleichwohl hat diese un-glückliche Hand hier und dar ihre Anhänger gefunden. Te-lephon berichtet uns, daß der große Cyrus diejenigen, dieer seiner besondern Gnade gewürdkget, an seine linke Seitegestellet; und dieses darum, weil diese Seite den Anfallenmehr ausgesetzt ist, als die andere. Auch heute zu Tage

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