voll den Vorrechten der rechten Hand. 87
Endlich hat sich, fuhr Herr Marin fort, das ca.nonische Recht zu allen Zeiten für die linke Hand er-klart, ohne selbst die Zeit des alten Gesetzes davon aus.zunehmen. Diese Wahrheit erhellet aus einer von denEntzückungen des Zachariaö, wo dieser Prophet erzäh-let, daß er den damaligen Hohenpriester Jesus gesehen,wie er vor einem Engel gestanden; und daß Satan zuseiner Rechten gewesen. Dieß ist ein Traumgesicht,wird man sagen: immerhin! Allein es ist von einemPropheten, und bey solchen Traumen muß alles regel-mäßig seyn. Wäre nun die Rechte die Oberhand ge-wesen, wie hätte man sie dem bösen Feinde einräumenkönnen? Der Hohepriester! unter dem Teufel? Daswäre eine ungeheure, ärgerliche, ja gar götteölasterlicheEntehrung gewesen, wenn hier anders die Rede vomMeßias ist: wie die meisten Ausleger wollen; welche be-Häupten, daß dieser Hohepriester ein Typus oder einVorbild desselben gewesen.
Man kann auch noch hinzu setzen, daß bey denalten Griechen und Römern, die günstigen Vogeldeutun-gen von der linken Seite gekommen: und es scheint, daßsie gar in den feyerlichen Zusammenkünften die Ehrenstellegewesen; wie man aus der Beschreibung ersehen kann, dieuns Herodian von der Einweihung der Kaiser hinterlassenhak. Nachdem er gesagt, daß man die von Wachs ver-fertigte Figur des Prinzen auf einen Altar gestellet, so setzter hinzu, daß der Senat, der die vornehmsten Stellen ein-nehmen sollte, indem er im Interregna die Macht und Ma-jestät des Reichs in Händen hakte, mit allen hohen Bedien-ten der Republik zur linken, das Frauenzimmer aber zurrechten Hand gesessen.
Die erstemChristen hielten es in ihren Kirchen eben so(llawn. ämn. kv. p. 29z): allwo die zwey Geschlechter, wel-che durch Gatterwerk unterschieden waren, das weiblicheallezeit zur Rechten, und das männliche zur Linken saß. Ebendiese Ordnung ward in den Concilien beobachtet;weil indem
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