Band 
Zweyter Theil.
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vom Handeküssm. 91

unsrer lieben Frauen Kirche zuCahors,ein sehr flaches Schnitz,werk, auf welchem ein Frauenzimmer stund, die in Ge-genwart eines Götzen die Hand küsste.

Man kann noch sagen, daß nachdem diese Andachts-formeln endlich aus der Mode gekommen, sie zur Zeitdes allerersten Christenthums dazu gedienet, die feyerlich-sten Ceremonien unserer Geheimnisse ehrwürdig zu ma-chen ; indem die Bischöfe und andere Beamten die Handden Priestern die beym Altare dieneten, zu küssen gaben.Tarasius ein constantinopolischer Patriarch, redet davonals von einem sehr alten Gebrauche, in seinem Syns-dalschreiben an diejenigen Kaiser, die das nicenische Con-cilium zusammen berufen hatten.

Da nun der Gebrauch des Händeküssens in Ab-sicht auf die Religion, mit dem Heidenthume zugleich ge-fallen ist; so bleibt uns nur noch übrig zu forschen, aufwas für Art er sich in der Gesellschaft erhalten. HerrWorin sieht die Gewohnheit die Hände zu küssen, alseine in allen Ständen fast beständige Pflicht an; undals ein stummes Formular, welches man erfunden, umeine Aussöhnung, eine Bitte, oder eine Danksagunganzudeuten. Es ist eine natürliche Losung, die man aufdem ganzen Erdbälle, sonder einen Dollmetscher versteht,und unfehlbar älter ist, als die Schrift, ja vieleicht garals die Rede. Salomon sagt in seinem Prediger, vonden Bittenden und Schmäuchlern seiner Zeit, daß sie loh-ne Unterlaß die Hände ihrer Gönner küssen, bis sie dieGewogenheit, die sie begehren, von ihnen erhalten.

Durchlaufen wir nun die andern Völker, so findenwir sogleich im Homer, daß PriamuS dem Achilles dieHände geküsst, und die Knie umfangen, da er ihn be-schwor, ihm den Leichnam seines Sohnes Hektors wiederzu geben. Diese Höflichkeit war auch zu Rom und inItalien gebräuchlich; allein mit verschiedenen Verände-rungen. In den ersten Zeiten der Republik, scheint es,daß sie nur von den Niedern gegen die Obern beobach-tet