92 XIV. Herrn Moritis Abhandlung
tet worden; denn die freyen Personen gaben sich nurdie Hand, und umarmeten sich. Die Liebe zur Freyheitgieng gar in der Folge so weit, daß auch selbst die Sol-daten ihren Generalen diese Ehre nicht gern erweisenwollten; und man sah es, als etwas sehr außerordentli-ches an, als die Soldaten, aus welchen Catons Heerbestand, alle einstimmig zugiengen, und ihm die Handküßten, da er das Commando niederlegen mußte. (klm.in e-uon.) Nach und nach waren die Römer nicht mehrso zärtlich: die große Hochachtung, die sich die Tribunen,Consules und Dictatoren zugezogen, bewog die Privatper-sonen ehrerbiethiger mit ihnen umzugehen: anstatt also daßsie, wie ehemals geschehen, sie umarmen sollten, so wa-ren sie glücklich genug, wenn sie ihnen die Hand küssendurften, und das nennten sie, acceelere sä mauum. Un-ter den Kaisern ward dieser Gebrauch gar eine wesentlichePflicht, auch so gar der Großen: denn die Hofleute vongeringerm Range, mußten sich begnügen lassen, nur denPurpur zu berühren; welches sie auf den Knien thaten;um den Rock des Kaisers mit der rechten Hand zu fassen,die sie nach dem Munde brachten. In der folgenden Zeitward auch diese Ehre nur den Consulen und oberstenStaatsbedienten zugestanden; alle andere mußten die Kai-ser nur von weitem grüßen, indem sie die Hand an denMund legten, und zwar auf eben die Art, wie man dieGötter anbethete-
Es würde unnöthig seyn, diesen Gebrauch fernermallen übrigen Landen zu verfolgen, wo er üblich gewesen:man weis, daß er noch jeßo fast in allen bekannten Ländernin Schwange geht, was die Prinzen und Obern betrifft,so gar bey den Schwarzen, und bey den Einwohnern derneuen Welt. Ferdinand Cortez fand ihn in Mexico, all,wo mehr als tausend Herren ihn begrüßen kamen, indemsie die Erde mit ihren Händen berührten, die sie hernachan den Mund brachten.
Also