94 XV. Hrn. von Valois Abhandlung,
Herr Valesius merket also zuvörderst an, daß seitdem A-pollo von dem delphischen Orakel Besitz genommen, dieserberühmte Tempel sehr große Veränderungen erleiden müs-sen ; und daß er fast sechsmal zerstöret und wieder aufer-bauet worden ist.
Der erste Tempel war, wenn man den Alten glau-ben will, aus durchflochtenen Lorberzweigen erbauet, undsah nicht anders, als eine schlechte Bauerhütte aus.
Der andere war nichts prächtiger, wie die delphischenEinwohner erzählten. Die Bienen waren die Bauleutedesselben, und setzten ihn aus ihrem Wachse und den Fe-dern verschiedener Vogel zusammen. Nach einigen Schrift-stellern ist er nicht aus Wachs und Vogelfedern gemachtgewesen, sondern aus einer Pflanze, Namens ei-
ne Art von Farrenkraut, so auf den Bergen wächst. An-dere endlich haben geschrieben, er sey von einem Einwoh,ner zu Delphis erbauet worden, welcher ltteras geheißen,und seine Arbeit nach seinem Namen genennet hat: hier-aus aber wäre die doppelte Zweydeutigkeit entstanden.
Der dritte Tempel sieht einer fabelhaften Erzählungvollkommen ähnlich. Man sagt, er sey ein Werk Vul-kans gewesen, der, damit es desto länger währen sollte,diesen Tempel von Erzt gemacht, und auf dessen Giebeleinige Figuren von Golde gesetzt, die junge Mädchen vor-gestellet, welche unter einander ein angenehmes Concertmachten. Einige wollen, daß dieser dritte Tempel durchein Erdbeben eingesunken und verschlungen sey; und ande-re, daß er in einer in Delphis entstandenen Feuersbrunsteingeäschert worden.
Den vierten, der ganz von Stein war, erbauekenTro-phonius und AgamedeS, Söhne des Ergines, Königes vonOrchomen, zween vortreffliche Baumeister, die sich einengroßen Ruhm erworben: nicht nur, weil sie für die Göttereinige prächtige Tempel erbauet, sondern auch für verschie-dene Fürsten ihrer Zeit schöne Schlösser aufgeführet. Die-ser vierte Tempel verbrannte durch einen ungefähren Zu-
/
si
d»!
2
d
r
»!
<
!
l
K
L
A
i«
l--
t!
Z
lr
inl