Sophokles Oedipus sey. 137
wären, als der Obcrpriestcr und die Kinder. Denn dahätten sie ja aus Rreons eigenem Munde, die eigenenWorte des Orakels hören müssen.
Ucbrigenö sind Herrn Boivins Gedanken von derBeschaffenheit dieses Chores, folgende- Dieser Chor, ist,nach seiner Meynung, nicht eine Zahl alter Opferpriester;sondern das ganze Volk, welches von einigen ansehnlichenBürgern vorgestellet wird, die an der Regierung Theil ha-ben, und gleichsam den Rath des Prinzen ausmachen.Sie werden genennet, das heißt, Herren, und
zwar nennet dieJlokasta; ihre eigene Königinn, sie so.Zu Anfange des letzten Aufzuges, redet man sie folgendergestalt an: G ihr, die ihr von allen Zeiten her, all-hier die höchste Ehre genießt. Im ganzen Stücke fin-det sich keine einzige, richtig gelesene und verstandene Stelle,darum sie Greise genennek würden. Gleichwohl kannman mit Wahrscheinlichkeit, mit einem von den Scholia-sten voraussetzen, daß es alte Männer, oder doch we-nigstens Personen in reisen Jahren, sind: und endlich soist ja nichts natürlicher, als die Art, mit welcher Sopho-kles den Chor auf die Bühne bringt. Gedipns beurlau-bet zu Ende des ersten Aufzuges, die Kinder und den altenOpferpriester, der sie dahin gebracht halte. Darauf wen-det er sich zu einem von den Bedienten, und befiehlt ihm,das Volk, an eben diesen Ort der Schaubühne, das heißt,vor die Pforten des Palastes, zu versammlen. Der Opfer-priester geht fort, nimmt die Kinder mit sich, und in dem-selben Augenblicke kömmt der Chor. Hier sieht man au-genscheinlich, daß der Chor nichts anders, als das Volkselbst seyn kann: welches voller Ungeduld die Antwort desOrakels zu wissen, aus den benachbarten Orten zusammengelaufen war, und nur einen Augenblick Zeit brauchte, herbeyzu kommen. Der Ort, welcher zum Empfange des Chorsbestimmt ist, kann eine so zahlreiche Menge nicht fassen.Die ehrwürdigsten und vornehmsten also, stellen sich aufden Schauplatz; und diese machen eigentlich den Chor aus,