Band 
Zweyter Theil.
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' Sophokles Oedipus sey. ,Z9

er sich erkläret, daß er, nicht sowohl den Herrn Boivin,als den alten griechischen Scholiasten angreift, der ihn inIrrthum verführet hätte, so schreitet er zur Sache , undzeiget, daß der Scholiast die Einrichtung des TrauerspielesOedipus, gar nicht verstanden habe; indem er geglaubt,daß, nachdem Jupiters Priester sich mit den Kindernrvegbegeben, niemand auf der Schaubühne bleibe, und daßder Chor aus dem Volke bestehe, welches Jupiters Prie-ster ermähnen lasten, herbey zu kommen. Man wird ausHerrn Daciers Sätzen sehen , daß dieses nicht nur nichtist; sondern auch nicht seyn kann.

Der Scholiast erklärt den siebenzehnten Vers auf einesehr seltsame Weise. Der Oberpriester zeigt dem Oedipusdiejenigen, die vor dem Fusse des Altares knien. Dustehst, sagt er, das Alter und die Beschaffenheit de-rer , die hier vor dein Altare liegen. Diese verlassenkaum die Kindheit, und diese, die du unter der Lastder Jahre niedergedrückt stehst, stnd die vornehm-sten Opferpriester aller unserer Tempel. Der Scho-liast nimmt hier die mehrere Zahl für die einfache, und willdaß der Oberpriester: und diese die unter der Last derJahre erliegen, stnd die Oberpriester, anstatt undich bin der Oberpriester, sage. Wie hat aber dieserScholiast sich immermehr einbilden können, daß JupitersPriester, indem er dem Oedipus schlechtweg alle diejenigenzeiget, die diese Versammlung ausmachen, die mehrereZahl für die einfache gebrauche? und nachdem er gesagt üMv, da er von der Jugend redet, hernachsagensoll,da er nur von sich allein spricht. Diese Figur ist gar zunachdrücklich für eine bloße Erzählung, in welcher mandie Sachen ungekünstelt vortragen soll- Endlich so darfman, nach dem Herrn Dacier, den Beweis eben nichtgar weit herholen, daß diese Erklärung sich nicht behauptenläßt, und einen Übeln Verstand hat. Der folgende Versgiebt ihn gleich an die Hand. Denn, nachdem der Ober-priester gesagt: