142 xxm. Mas der Chor in des
Longins Vorschrift sehr schlecht nachgekommen seyn; unddieser Redner würde den Oberpriester, als einen wahren So-phisten befunden haben.
Zu Ende des ersten Aufzuges befiehlt tOedipus denKindern aufzustehen. Hierauf stehen sie mit dem Priesterauf, und Jupiters Priester schickt, indem er fortgeht, einigeab um dem Volke anzudeuten, daß es sich versammlen soll.Meine Rinder, sagt dieser Oberpriester, wir wollenaufstehen; indem wir nur hergekommen waren, das-jenige zu erbitten, was der Röntg uns bewilliget.Apollo, der uns ein «Orakel geschickt hat, sey unsgnädig, und lasse alles unser Unglück ein Ende neh-men. Hierauf geht er ab, und der Chor fangt sogleich anund singt: Heiliges Orakel Jupiters :c. Hier ist garkein Zwischenraum. Wie kann man sich denn vorstellen,daß eben das Volk, welches Oedipus versammlen laßt,den Chor ausmache! Das ist unmöglich; und es ist vielnatürlicher zu glauben, daß er aus eben denen Priesternbestehe, welche mit den Kindern zugleich vor dem Altarelagen, die allhier zurück bleiben, und den ersten Chorge-sang verrichten; hernach aber vereinige sich das Volk, all-mahlig wie es ankömmt, mit ihnen. Sophokles würdeeinen gewaltigen Fehler begangen, und wider alle Wahr-scheinlichkeit gesündiget haben, wenn er voraus gesetzt hätte,dieses Volk mache, indem es ankömmt, den Chor aus, undsänge: Göttliches (Orakel Jupiters rc.
Dieß wird noch unmöglicher scheinen, wenn man sichdie Entfernung der Plätze vorstellet, aufweichen das Volkbey den zween Tempeln der Pallas und des Ismenus,zerstreuet war. Dieser Altar des Ismenus war Apol-lons Altar, nahe bey einem gewissen Thore von Theben.Wie kann man denn voraus setzen, man habe Zeit genuggehabt, dieß Volk herbey kommen zu lasten; und wie kanndieses Volk im Augenblicke das Zwischenstück singen? dasist wider alle Wahrscheinlichkeit.