Gemälde des Cebes. 185
beygebracht hat? Ist es wohl natürlich, daß man einenPylhagoräer, die Musik und Rechenkunst, unter die eitelnund betrieglichen Wissenschaften zählen sieht? Jedermannweis ja, baß sie alle beyde, von denen, die dieser Seckeergeben waren, unendlich hoch geschätzt wurden. Iam--hlichus bezeugt, daß sie sich aus der Musik besonders vielgemacht; und wenn man dem (Ammiliali und Boerhiusglauben will, so hat eö keinen Tag gegeben, da sie sich inderselben nicht geübt. Tlmaus versichert, sie wäre vonden Göttern selbst eingesetzt worden: und nichts kömmt indenen Ueberbleibseln, die wir von den Schriften der altenPythagoraer haben, häufiger vor, als dieß. So siehtman im Hippodamus und Euryphamus, unzahlicheVergleichungen, die aus der Musik gezogen sind. End-lich so liest man noch im Porphyr, daß es eine Secke vonMusikanten gegeben, die man pythagoraer genennethätte.
Was die Rechenkunst betrifft, so versichert Mode-ratus, daß die Pythagoräer sie mit besonderer Geflissen-heit erlernet haben. Und wie hätten sie auch dieselbe ver-nachlässigen sollen? sie, welche, nach dem Theodoret,von ihrem Lehrer gelernet hatten, daß das höchste Gut desMenschen, in einer vollkommenen Kenntniß der Zahlenbestünde? Dieß ist vielleicht mehr als hinlänglich, umzu zeigen, daß dieß Gespräch von keinem Pythagoraer her-rühren kann, und daß man es folglich dem Lcbes nichtzuschreiben müsse.
Wir wollen diesem noch beyfügen, daß das Gemälde,Ln der gewöhnlichen griechischen Sprache geschrieben ist,und daß nichts dem Gebrauche mehr zuwider sey, der unterden Pythagoräern eingeführet war, als eben dieß. Wirsehen aus dem Porphyr und Iamblichus, daß alleWerke die von dieser Secte ans Licht traten, in der dori-schen Mundart waren. Allein wenn sie auch dieses nichtgesagt hatten; so dörfte man dennoch daran nicht zweifeln,
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