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Regeln öer Critik. 91
Metall waren den öffentlichen Aufschriften gewidmet. DieBaumblätter, die Baumrinde, Holz, Wachs, Leinwand,Thierftlle und Papier, sind für besondere Werke bestimmtgewesen. Alle diese Materien nun, sind großen Verände-rungen unterworfen: denn ohne der Unwissenheit derer zugedenken, die in die Steine gruben , so bröckelt auch einStein oftmals aus einander. Erz und andere Metallekönnen schmelzen. Baumbläkter, Baumrinde und Pa-pier aber, können zerrissen werden, faulen, und von Wür-mern gefressen werden, u. s. w.
* z. Was den Schriftsteller nun selbst betrifft, so hater entweder in Prosa oder in Versen geschrieben; sein Werkist entweder in seiner Grundsprache, oder in einer Ueber-sehung vorhanden: also muß man alle diese Sprachen ver-stehen, in seiner Gewalt haben, und die verschiedenenMundarten zu unterscheiden wissen.
Die ungebundene Schreibart kann freylich, wenn sieverstümmelt ist, leichtlich zu recht gebracht werden , wenndie Verstümmelung nur in wenigen Worten, oder Redens-arten besteht. Geht sie aber schon weiter; so scheint keineHülfe mehr zu seyn, wofern nicht eine weitläuftige Gelehr-samkeit und ein glückliches Gedächtniß, in andern Schrift-stellern dasjenige ausfündig machen, was hier verderbet,und dort, in dem wahren Sinne des Urhebers angeführetist: und solches hat sich gar oft zugetragen. Einer solchenScharfsichtigkeit hat man den Lestus , diel Ueberbleibseldes Ennius, und viel andere Werke zu danken.
Was die Dichtkunst betrifft, als welche in der Har-monie,'der Quantität, dem Sylbenmaße u.s.w. besteht,so begreift man leicht, daß die in den Dichtern verstümmel-- ten Stellen, schwerlich zu ergänzen sind. Wie viel glück-liche Entdeckungen hat man indessen den Kunstrichtern nichtzu danken ! Ist das wieder herzustellende Werk überseht,so hat eö, außer den Fehlern der Urschrift, noch die Man-gel der UeberseHung, welche gemeiniglich in großer Anzahl
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