Band 
Dritter Theil.
JPEG-Download
 

Sicilianischen Hirtendichtern. 109

Da nun der Abt Goulley untersucht, in welche von die-sen drey Classen man die Hirtengedichte setzen soll : so sagter, sie gehören in alle drey zugleich, oder wären vielmehrdie wahre Poesie; eine Meynung, die wie er glaubt, alleScholiasten aller Hirtendichker gehabt haben. Virgilist, wie er sagt, ein Beweis davon. In seiner erstenEkloge, die von dramatischer Art ist, sagt er nichts vonsich selbst. Meliböus und Tityrus sind die redendenPersonen in derselben ; so wie Damöras , NIenalkas,und palämon in der dritten , die von eben der Art ist.In dem andern, sechsten und achten Hirtengedichte, siehtman wohl, daß der Dichter das vermischte Wesen angenom-men. Einer von seinen Auslegern will auch das zehntenoch hieher rechnen : allein man kann ihm nicht beypflich-ten, weil der Dichter die Verzweifelung des Gallus, einemSchäfer in den Mund leget:

l)um teäet, ct ßrscili. Htcellsr» texit tubitco, etc.und zu Ende:

LurßLMUS; tolet clle xrsvis cgntsntibu» umkrs.

Gleichwie diese Dichtkunst unter den Hirten ihren er-sten Ursprung genommen, und unter ihnen gleichsam erzo-gen worden ist; so hat man sie auch mit Recht, die buko-lische, oder Hircendichrerey genannt. Von dem Feldekam sie in die Stadt, allwo sie zärtlicher und feiner ward,als sie gewesen war; sie bekam auch einen weitläuftigernNamen, der alle Arten der Dichtkunst in sich begriff, ausdenen sie zusammen gesetzet war.

Daß die Dichtkunst ihren Ursprung den Hirten zuverdanken habe, das scheinen sowohl die Vernunft, alsZeugnisse zu bestärken. Man zweifelt gar nicht mehr, daßder Stand der ersten Menschen, der Hirten stand gewesen.Man müßte weder die heil. Schrift, noch die alten Scri-benten kennen, wenn man hierinn die mindeste Schwierig-keit finden, und erst alle Zeugnisse begehren wollte, welche. der