Band 
Dritter Theil.
JPEG-Download
 

über den Pindar. iz?

ters unternommen, hat sich für verbunden gehalten, einebesondere Prüfung alles dessen anzustellen, was an seinenWerken gelobet oder getadelt worden. Insonderheit hater sich vor dem, den Uebersetzern nur gar zu gewöhnlichenVorurtheile gehütet. Es scheint, ihre einzige Sorgfaltgehe dahin, sich zu überreden, daß es in ihrem Schrift-steller lauter Schönheiten, slhne alle Fehler gäbe, und den-selben allen andern vorzuziehen. Sie gleichen hierin» de-nen Rednern, welche alle andere Helden herunter machen,um nur denjenigen recht heraus zu streichen, dessen Lobredesie verfertigen.

Der Herr Abt Massleu hergegen gesteht, daß, wennman überhaupt im pindar große Schönheiten antrifft, esauch zuweilen große Fehler in ihm gäbe. Dieß ist einnothwendiges Looß der menschlichen Natur. Man kannihm das Erhabene und den hohen Schwung, die Stärkeund den Nachdruck, die Richtigkeit und Kürze^ die Har-monie und den Wohlklang, das Feuer, die Entzückungund alles dasjenige nicht absprechen, worinnen eigentlichdas wahre Wesen der Dichtkunst besteht. Anderntheilsaber kann man ihm auch seine Vergehungen vorrücken;und in der That sind einige darunter, die man auf keiner-lei) Weise vertheidigen kann. Viele indessen werden ihmauch sonder allen Grund beygemeffen. Dergleichen ist z.E.wenn man ihm vorrückt: daß er allezeit den Vater, dasGeschlecht, das Vaterland seines Helden und die Götterlobet, welche darinnen besonders verehret werden: dennhiedurch entwickelt er nur die Formel, deren man sich zu Er-hebung des Ueberwinders bediente; und so lange er in die-sen Gränzen bleibt, kann man nicht sagen, daß er sich ver-gehe. Er ist aber auch nicht allezeit, mit dem Lobe des Va-terlandes seines Helden, allein zufrieden. Er lobet auch diegroßen Leute, so es hervorgebracht hat; und alsdann vergehter sich allerdings. Sein Held sey also von Aegina: sogeht er, nachdem er diese Insel überhaupt gelobet hat, auf

I 5 alle