Band 
Dritter Theil.
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i4o xvn. Massen, Betrachtungen rc.

pindar hätte weniger Geschmack und Vernunft sollen be-sessen haben, als der elendeste französische Dichter?

Was man dem pindar am öftesten vorrückt, dasist seine Dunkelheit. Um nun hier den richtigen Ausspruchthun zu können, so muß man zweyerley Arten von Dunkel-heit unterscheiden. Die eine entsteht aus gewissen alten Ge-bräuchen , ländlichen Gewohnheiten, Geschichten damaligerZeiten, und lauter solchen Sachen, die zu pindars Zeitenüberaus bekannt waren, und folglich damals nicht die min-deste Dunkelheit in seinen Schriften verursachten. Da abereben diese Sachen ins Vergessen gerathen sind; so ist es ge-kommen, daß dasjenige, was zu seiner Zeit ganz deutlichwar, in der Folge dunkel geworden ist: und es würde un-billig seyn, diese Dunkelheit dem pindar zur Last zu legen.

Es giebt aber auch noch eine andere Art von Dunkel-heit, welche aus dem Schwünge der Gedanken, und ausder Wortfügung entsteht. Und hier kann man nicht leug-nen, daß in diesem Stücke, pindar nicht ziemlich oft dun-kel seyn sollte. Es scheint, daß er an einigen Stellen, rechtmit der Absicht geschrieben, daß er nicht wolle verstandenseyn. SeineAusdrücke sind in der Bedeutung, die er ihnenbeylegt, so seltsam, und die Fügungen der Redensarten sowunderlich; daß es vielmehr Räthsel, als eine gewöhnlicheArt zureden sind, und daß auch die geübtesten Leser desGriechischen, nicht anders, als mit großer Mühe errathenkönnen, was er haben will. Ob also pindar gleich den Na-men hat, daß er seine Sprache vortrefflich schön geschrieben, soist es doch schwer, daß man nicht der Meynung dererjeni-gen zugethan sey, die ihm diese letztere Art von Dun-kelheit nicht vergeben können.

XVIII.