des Schachspiels. »67
Aufführung entstehen könnten. Da ihn aber das Beyspielseiner Vorgänger behutsam machte, so sah er wohl ein, seineLehre würde bey dem Prinzen sehr unnüHlich bleiben , wo-fern er sie sich nicht selbst nehmen, und gar nicht argwohnenmöchte, daß er sie von einem andern erhielte. In dieserAbsicht erfand er das Schachspiel, in welchem, der Kö-nig, ob er gleich das wichtigste Stück von allen ist, zumangreifen unfähig, ja nicht einmal im Stande ist, sich wi-der seine Feinde zu wehren, wofern ihm nicht seine Unter-thanen und Soldaten beystehen.
Das neue Spiel ward bald berühmt: der König vonIndien hörte davon reden, und wollte es lernen. DerBramin Srssa ward erwählet, ihn selbiges zu lehren; undunter dem Vorwande: daß er ihm dessen Regeln erkläret«und ihm zeigte, mit was für Kunstgriffen man die andernSteine zum Schuhe des Königes anwenden müßte, fiengder Prinz an, die wichtigsten Wahrheiten einzusehen und an-zunehmen, davon er bis dahin nichts hatte hören wollen.Der Prinz war sehr wihig, und mit wirklich tugendhaftenEmpfindungen gebohren , die auch die Lehren seiner Höf-linge nicht hatten ersticken können. Er machte bey sichselbst die Anwendung dessen, was ihm der Bramin gesagthatte: und da er begriff, daß in der Liebe der Unterthanen,die ganze Macht eines Königes besteht; so änderte er seineAufführung , und kam dadurch denen ihm drohenden Un-glücksfällen zuvor.
Der empfindliche und dankbare Prinz überließ demBrammen selbst die Wahl seines Lohnes. Dieser bathsich aus, der König möchte ihm so viel Körner Getraydegeben, als Vierecke im Schachbrette wären; nämlich fürdas erste eins, für das andere zwey, für das dritte vier,und so weiter immer verdoppelt, bis auf das vier undsechzigste.
Der König erstaunte über der scheinbaren Mäßigkeitdieser Bitte, und versprach sie ihm sogleich, ohne fernere
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