408 i-nChamborts,Hochachtung der Deutschen
Die weiße und lichte Farbe vereinigen sich zärtlich, und ma-chen nach seiner Meynung, diejenige Farbenmischung aus,welche wie Cicero 1 nie. 4. n. ZI. sagt, das Wesen derSchönheit ist. Dem Zeugnisse der Dichter, fügt er nochdie Romanenschreibec bey, die mit ihnen fast einerley Mey-nung sind; er zeigt, daß vom Heliodor bis auf den Herrnvon Segrais, ihre vornehmsten Heldinnen , selbst Cha-riklea, die doch eine Aethioporinn war, weiß gewesen.
Die Schönheit ist oftmals eine Quelle der Kriege undStreitigkeiten; und wenn das deutsche Frauenzimmer nichtauch dergleichen verursachet hätte, so würde man vieleichtzweifeln, daß es so schön gewesen, als Herr von Charmbort hier sagt: allein auch dieser Vorzug hak ihnen nichtgefehlet. Ihre Heirath war oftmals der Lohn einer gewon-nenen Schlacht, und unter der Menge von Beyspielen, dieer davon angiebt, ist eö genug, wenn man hier nur dasjenigeanzeigt, was er von Segestö, des Prinzen derCatten Toch-ter sagt, die vom Armmius, dem Fürsten der Cheruskerentführet worden ; wovon Tacirus ^nn. b. 1. die Fol-gen erzählt.
Erstaunen erwecken, Ehrfurcht und Liebe zugleich er-regen, das ist auch noch eine Wirkung der wahren Schön-heit. Nun mochten aber die deutschen Weiber, entweder imKriege gefangen werden, dahin sie fast allezeit ihren Män-nern folgten, oder als Geiseln wegen des Friedensschlussesdienen: so sehten sie diejenigen, denen sie übergeben wur-den, sogleich in eine Verwunderung, die ihnen oftmals ge-fährlich ward. Niemals war in Rom eine größere Schön-heit gesehen worden, als die Bissula, eine junge Deutsche,deren Reizungen Ausonius in der VII. Idylle beschriebenhat. Wenn aber die lebhafteste Wirkung der Schönheitdiese ist, daß sie eine außerordentliche Eifersucht erweckt: sokonnten die deutschen Schönen sich deren bey dem römischenFrauenzimmer dergestalt rühmen, daß, nach dem Dvi-dius, Properz und Martial, dieselben alle Künsteleyen
ihrer