Band 
Neunter Theil.
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I-XVI. Lebe»

gangm war. Allein seine Sanstmmh, und ich weis nicht,welch eine edle Einfalt, die in allen seinen Handlungen herr-schte, macheten auch dieses vornehme Wesen ungcmein lie-benswerth. UebrigenS entsprang diese Sanftmurh gar auskeiner Schwachheit. Er war allezeit wahrliebend, undrecht standhaft, so bald die Vernunft, die Tugend, oder dieTreue gegen seine Freunde solches von ihm foderten. Hier-von hat er die Proben in einigen von den schwierigen Gele-genheiten abgeleget, in welchen es denenjenigen, welche mitFleiß fehlen wollen, nicht an Scheingründen fehlet. Erredete ohne Schwierigkeit, und mit vieler Anmuth, aber erdrung sich nicht zum reden: und ungeachtet er einen vonNatur gründlichen Verstand hatte, so brachte er doch in dengewöhnlichen Gesprächen eine anmuthige Munterkeit an, dieman auch in den ernsthaftesten Unterredungen merken konnte.

Seine Gesundheit, die allemal sehr schwächlich gewe-sen war, fieng an, seit zehn bis zwölf Jahren, zusehends ab-zunehmen. Ein beträchtliches Vlutspeyen, kündigte sogleichdie Art seines Todes an: allein, da die Zufälle, welche ernach diesem empfand, eine andere Ursache zu haben schienen,so betrogen sich die Aerzte sowohl, wie er, durch dieselben.Eine Dämpfung der Stimme, die endlich beständig undfast vollkommen ward, wurde lauge Zeit für eine Wirkung ei-ner bloßen Verderbniß der Werkzeuge der Sprache gehalten:bis man endlich gewahr ward, daß sie einen gefährlichernUrsprung hätte, und die Brust selbst angegriffen wäre; da-mals aber war es keine Zeit mehr, der Sache abzuhelfen.

Der Herr Abr von Rorhelin war der erste, welchermerkete, daß sein Uebel von der Art dcrerjenigen sey, diedurch Arzeneyen höchstens nur verlängert werden können.Jedoch selbst in derjenigen Zeit, da er am meisten mit denZubereitungen und Gedanken beschäfftiget war, die der An-blick eines unvermeidlichen und baldigen Todes veranlassenmuß, suchcte er seinen Freunden, und einer Familie, die ihn

überaus