Band 
Neunter Theil.
JPEG-Download
 

49» L-xix. Leben

sthen Kunstrichtern ziemlich gemein ist, in welcher man vor-aus setzet, daß das Hebräische,aus gereimten, bloß nachherAnzahl der Sylben, abgemessenen Versen, ohne Ansehungder Quantität bestünde; fast auf eben die Weise, wie un-sere und der Araber Dichterey beschaffen ist: und er las1714. der Akademie eine Abhandlung davon vor. Inseinem Werke füget er, dem Texte der Psalmen, die inVerse, Strophen und Wiederholungen besteht, eine Ueber,setzung, einen Inhalt, und historischckritische Noten bey.

Er hat auch ein Werk über die Offenbarung St.Jobanniö hinterlassen. Dieses Buch hat so vielen Kunst-richtern zu schaffen gemachet, daß sie, auch sogar den be-rühmten Newton nicht ausgenommen, prophetische Ausle-gungen darüber gemachet haben: davon des letztem seine mitallem dem parteylichen Eifer erfüllet sind, der jemals dieProtestanten wider die Römischkatholischen in den Harnischgebracht hat.

Herr Lourmont glaubete, daß alle, Ausleger, diedie Offenbarung Johannis für ein bloß prophetischesWerk ansehen, keinen richtigen Begriff davon haben.Nach seiner Meynung, ist dieses Buch nichts anders, alseine Darstellung der völligen Geschichte des jüdischen Volksund seiner Religion; seit der Verkündigung des Gesetzes aufdem Berge Sinai, bis auf die Zerstörung Jerusalemsund des Tempels durch die Römer. Allein es ist eine Be-schreibung, die lebhaft und voller Bilder ist, die man ausder Schreibart und den Schriften der alten Propheten ent,lehnet hat. Auf diese Geschichte der Juden folget, seinerMeynung nach, die Geschichte der Einsetzung des Christen-thums. Damals hatte der alte Bund, welcher mit dem jü-dischen Volke geschlossen war, ein Ende genommen : undGott hatte einen neuen mit allen Menschen insgesammt ge-schloffen, ohne allen Unterschied der Völker oder Nationen.