des Herrn Abtes Fourmonts. 507
Durch sein unausgesetztes Bestreben, brachte er es soweit, daß er in weniger, als drey Jahren, sich in den Standsetzete, das Latein, Griechische, Hebräische und Syrische, nichtnur selbst vollkommen zu verstehen, sondern auch anderelehren zu können. Diese zwo letzten Sprachen hatte er so-gar verstohlener Weise, und ohne seines Bruders Zuthun er-lernet. Denn da sein Bruder glaubete, die Erlernung desGriechischen und Lateins, sey mehr als hinlänglich, ihn ganzzu beschäffrigcn, so hatte ers abgeschlagen, ihin auch noch dieGrundsätze der morgenländischen Sprachen beyzubringen.Allein, diese Weigerung vermehrte nur seine Neugrerde.Etliche Sprachlehren, die er aus seines Bruders Studier-stube genommen, und mit eigener Hand abgeschrieben hatte,gaben ihm einen Vorschmack von den ersten Grundsätzen;und setzeten ihn in den Stand, alles zu sammeln, was er vonungefähr in den hebräischen Lesestunden aufsammeln konnte,denen er zuweilen beywohnete, indem er seine Unterrich-tungsstunde erwartete. Er fand auch Mittel aus, sich einehebräische Bibel zu verschaffen, die er auswendig lernete,und sich ein Wörterbuch darüber machete. Durch eineBearbeitung endlich, die doch eben keine merkliche Störungin derjenigen Arbeit machete, davon er seinem Bruder täg-lich Rechenschaft geben mußte, gerieth er in den Stand, denTert der schwcrestcn biblischen Bücher zu verstehen.
Er verbarg seine Kenntniß davon mit allem Fleiße:allein sein Geheimniß entwischcte ihm. Er wohnete einesTages einer Lehrstunde bey: als nun darum ein verdienstvol-ler Mensch, der seit zwey bis drey Jahren hebräisch lernete,große Mühe harte, die Erklärung einer gewissen Stelle zuverstehen, die in der That sehr dunkel war, konnte dieserHerr Fourmom sich nicht einbrechen, zu sagen, die Stellesey gar nicht schwer. Herr Fourm-nt der ältere, den die-se Rede sehr wunder nahm, hieß ihn auf eine ziemlich harteArt, schweigen. Als jener darauf bestund, wollte er ihmdas Buch in die Hand geben, um ihn zum Geständnisse