iQ2 Erinnerungen und Zusätze
mit den entlegensten Theilen der Welt noch nicht so erleich-terte, als heutzutage; daß sie damals von großen Herrennicht unterstützet wurde»/ noch ihrer Vorfahren gemachtenEntdeckungen weiter nachspüren konnten; dafür konnten sieja nicht; daran waren ihre Zeiten schuld. Wer weis, wassie gethan hätten, wenn sie an unserer Stelle gewesen wären?da sie, nach ihrem Maaße, in wenigerer Zeit, und bey schwa-chem Hülfsmitteln, wichtigere Entdeckungen gemachet haben,als wir.
Man bilde sich zween Handwerks - oder Kaufleute ein,davon der eine mit zehn Thalern anfangt, und damit in zehnJahren tausend Thaler verdienet; der andere fängt mit tau-send Thalern an, und bringt in zwanzig Jahren zehn tau-send Thaler vor sich. Welcher von beyden wird nun derarbeitsamste seyn? Welcher wird die Kunst, Geld zu ma-chen, am besten verstehen? Welcher wird das meiste Lob ver-dienen? Ist der schnellere Fortgang der Alten in den Wis-senschaften in kürzerer Zeit, und bey geringerer Anlage, nichtein Beweis, daß sie einen offenem Kopf gehabt haben, undämsiger gewesen sind, als wir? Ich lasse es dahin gestelletseyn, ob die Griechen die Wissenschaften lediglich für sich er-funden haben. Ich will es indessen einmal für erwiesen an-nehmen. Wenigstens gesteht es der Herr Abt auf der 176 S.und deren 22 Zeile selbst ein. Die Griechen erfanden dem-nach die Wissenschaften aus ihrem eigenen Kopfe; sie bilde-ten sie, sie legten den Grund zu dein großen Gebäude, daranwir noch immer bauen, und wohl in Ewigkeit bauen werden.Sie brachten es bis unter den Giebel, und das in wenigererZeit, als mir daran putzen.
Haben wir denn wohl recht, auf Erfindungen stolz zuseyn, die lediglich das Geschenk eines glücklichen Zufallessind? Können die Alten dafür, daß das Schicksal ihnendas Glück, darauf zu kommen, versagete, und uns es vorbe-hielt? Oder können wir uns etwas zum Verdienste anrech-nen, dazu unser Witz und Nachsinnen nichts beygetragenhat? Es sammle ein Vater von Nichtsein großes Vermögen.