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Das Prompte und Entschlossene ihrer Natur trat zuweilen, besondersfackelnden und säumigen Menschen gegenüber, in komischer Weise hervor.Ich erinnere mich einer Fahrt aus das Land, wo Mathilde in einemDorf mit dem Pfarrer eine Armensache zu bereden hatte. Der Mannwurde aus seiner „Unterweisung" weggerufen. Mathilde machte dasGeschäft kurz und deutlich ab. Als dann der Geistliche nicht fertig wer-den konnte, unterbrach sie ihn mehrmals mit dem Zuruf: „Herr Pfarrer,die Kinder warten", und schickte ihn, der des Scharwenzens kein Endefand, schließlich einfach in seine Pfarre zurück.
Oft bediente sie sich drastischer Wendungen, die sie Wohl mit einernachdrücklichen Handgeberde begleitete. Unter Hunderten will ich ausGerathewohl ein paar erwähnen, wie sie mir gerade im Gedächtnisse oben-auf liegen.
Da sie einmal in den Fall kam, sich statt der Pferde ihres Vaterseiner Droschke zu bedienen, um in die Schipf zu fahren, trabte der lebens-müde Gaul im langsamsten Tempo auf der Seestraße. „Jeden Augen-blick", erzählte Mathilde Escher ihre Fahrt, „hatte ich Lust, hinauszu-fpringen und Droschke, Kutscher und Gaul selber zu ziehen."
Eines Tages von Bittstellern bis auf das Blut geplagt, meinte sieAbends: „Wie will ich lachen, wann ich im Sarge liege, und ausrufen:„Da, Leute, nehmt den Mammon!"
Als der Schreiber dieser Zeilen einst ein Bischen vor Mathilde phi-losophirte, sagte sie, mit ihren blendend Weißen Zähnen lachend: „DieseTheoreme gleichen einem Netze mit großen Maschen, zwischen welchen dieThatsachen wie Fischlein lustig durchschwimmen."
Ein anderes Mal war von der Lüge und ihrer weiten Herrschaftdie Rede. Jemand behauptete, der Beste komme zuweilen, wo nichtfür sich selbst, doch für Andere, die ihm nahe stehen, in den Fall einerVerheimlichung oder eines Verschweigens. Mathilde, die gerade einenkleinen Zweig gebrochen und spielend geschält hatte, bog denselben. „Indiesem Falle", sagte sie, „kehrt ein lauterer Sinn, so bald der Zwang