Jahrgang 
auf das Jahr 1883 (CFM K 59 : 1883 Expl. 2)
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also beispielsweise die sämmtlichen Zürcher-Artikel mit Ausnahme derBaumwollen-Tüchli, so genossen doch thatsächlich die schweizerischen Kauf-leute gegenüber denjenigen anderer Länder bedeutende Vortheile im Ver-kehr mit Frankreich. Diesem Verkehr drohten nun im 17. Jahrhunderternstliche Gefahren; sie lagen einerseits in den schuhzöllnerischen Bestre-bungen, welche besonders von Lyon in Folge des Aufschwunges der dor-tigen Industrie ausgingen, anderseits in dem einheitlichen Zolltarif, dennach dem Regierungsantritte Ludwig's XIV. im Jahr 1661 der Mi-nister Colbert für ganz Frankreich anstrebte, allerdings den Provinzial-Parlamenten gegenüber nur mit theilweisem Erfolge ch.

Daß solchen Zeitströmungen gegenüber der Einzelne Nichts vermochte,sahen die Zürcher-Kaufleute ein; auch von den regierenden Häuptern derRepublik war wenig zu hoffen, da bei diesen andere Interessen der Sorgeum die heimische Industrie voran gingen. War es auch sonst bei denKaufleuten Sitte, eigenes Thun und Treiben den Blicken der Kollegenmöglichst zu entziehen, so galt es jetzt nothgedrungen, sich zu einigen undein Organ zu schassen für Vertretung der gemeinsamen Interessen nachAußen, für Abwendung der von Frankreich her drohenden, gemeinsamenGefahr. Noch ein anderer Umstand kam hinzu, der diese Einigung be-förderte; es war das mit der Zunahme des Verkehrs wachsende Bedürf-niß von Posteinrichtungen. Bisher hatten die periodischen, großenMessen hauptsächlich zur Vermittlung dieses Verkehrs gedient. Den Handelmit dem Norden Deutschlands und mit den Niederlanden erleichtertendie zwei jährlichen Messen zu Frankfurt a. M., wobei die Rheinschisf-fahrt das Mittel zu sicherer Beförderung von Waaren und von Personenbot. Auch die Leipziger-Messe hatte für den Bezug sächsischer Wolleihre Bedeutung für Zürich. Für den Verkehr mit dem Süden Deutsch-lands waren die beiden Messen von Zurzach von Wichtigkeit. Elsaß-Lothringen, welches bis 1792 außerhalb der französischen Zolllinien lag,

st Staatsarchivar Dr. Paul Schweizer:Ludwig XIV. und die schweize-rischen Kaufleute". kaK. 39.