Jahrgang 
auf das Jahr 1883 (CFM K 59 : 1883 Expl. 2)
JPEG-Download
 

35

Benutzte ebenfalls diese Messen für seine Handelsbeziehungen zu derSchweiz. Nach Zurzach konnten die schweizerischen Kaufleute ihre Waarenungefährdet über eigenes Gebiet bringen, was für sie von großer Be-deutung war. Nach Frankreich war der Weg über Gens und Lyon vonAlters her der gebräuchliche. In früherer Zeit hatte Genf, seit dern16. Jahrhundert auch Lyon seine regelmäßigen, großen Messen mit be-deutenden Privilegien für die jeweiligen Besucher. Im Süden warenBergamo und Bozen Stapelplätze für den Verkauf der schweizerischenFabrikate.

Hatten bisher die persönliche Begegnung der Kaufleute aus diesenMessen und das in den längst eingebürgerten Wechselbriefen gegebeneZahlungsmittel den Bedürfnissen des Handels genügt, so ging es dochohne irgend welche Posteinrichtung kaum länger. Daran, daß der Staatdem Mangel abhelfen sollte, dachte zu jener Zeit Niemand; diese Abhülfeblieb der Initiative von Privaten oder Korporationen überlassen. Es istdas Verdienst der schon genannten Gebrüder Heß in Lyon, um dasJahr 1630 die erste regelmäßige Posteinrichtung in's Leben gerufen zuhaben, indem dieselben periodisch einen Fußboten von Lyon an ihr Stamm-haus in Zürich und wieder retour gehen ließen und diesen Privatkurs auchAndern zugänglich machten I. Bei der schon erwähnten Aengstlichkeit,mit welcher jeder Kaufmann sein Thun und Lassen den Augen seiner Be-russgenossen zu entziehen suchte, konnte der Wunsch nicht ausbleiben, dieserPrivatpost einen öffentlichen Charakter gegeben und auch andere regel-mäßige Postkurse eingerichtet zu sehen. Als Hauptgründe der Bildungeines kaufmännischen Direktoriums in Zürich, haben wir also die Abwehrder schutzzöllnerischen Bestrebungen Frankreichs und das Bedürfniß einerregelmäßigen Bricfeypedition anzusehen.

Bereits hatte St. Gallen, das im 16. und 17. Jahrhundertvermöge seiner ausgedehnten Leinwand-Manufaktur an der Spitzeder schweizerischen Handelschaft stand, den Zürchern das Beispiel der Eini-

0 Schinz, Handelschaft. Seite 158 u. 159.