Jahrgang 
auf das Jahr 1883 (CFM K 59 : 1883 Expl. 2)
JPEG-Download
 

121

Für die damaligen Zustände der Gemeinde Einbrach aber gehtaus dieser Arbeit Folgendes hervor:

In Rücksicht auf die öffentliche und häusliche Re-ligiosität:

Der sonntägliche Gottesdienst am Morgen wird unstreitig sehrfleißig besucht; es herrscht bei demselben eine außerordentliche Stille undAufmerksamkeit, und das Auditorium ist auch wirklich im Stande, einenVortrag zu beurtheilen. Aber in der Kinderlehre sieht man einkleines Häufchen Erwachsener . . . Ueber Mangel an Stille und Auf-merksamkeit unter dem jungen Volk läßt sich schlechterdings nicht klagen;man wird sehr wenig genöthigt, stille zu halten und zur Ordnung zuweisen. Auch ist es mit Erklärung der Fragen nicht übel bestellt. Aberdie wöchentlichen Erbauungsstunden werden erbärmlich schlecht besucht.Das Mapimum der Zuhörer ist kaum dreißig, das Minimum fünf Per-sonen. An diesem schlechten Besuch der Kirche ist einzig die Besorgniß,Etwas an der Arbeit zu versäumen, schuld . . . Mannspersonen siehtman beinahe gar keine, man muß den Gesang oft unterlassen. Auch dasLeicheubegleite besteht oft nur aus6 Männern; die Weiber müssendafür an die Leiche gehen." Gerühmt wird im Weitem die feierlicheAndacht beim hl. Abendmahl (es wird von sehr Vielen zweimal genossen)und bei der öffentlichen Konfirmationsseier, getadelt dagegen, daß oft dieEltern die Jugend nicht mehr (früher gab es gar keine!) an den Wochen-uuterweisungen Theil nehmen lassen und sie um des Waldgehcns oderanderer häuslicher Verrichtungen willen daheim lassen.

Trotz dieser durchaus nicht so bedenklichen Schilderung spricht esder Verfasser als seine Ansicht aus,daß unser Volk nicht mehr das re-ligiöse, nicht mehr das gewissenhafte, nicht mehr das lenksame, treue, ehr-liche, aufrichtige Volk sei, wie nur in den Zeiten meiner spätern Jugend . . .So finde ich gerade in Rücksicht auf die häusliche Religiositäteine gewaltige Lücke. Wenigstens bemerke ich wenige Häuser, wo z. B.die Bet-Uebungen einer ganzen Haushaltung statthätten. Das Sprich-wort sagt: Bete und arbeite! Hier wird das Arbeiten vorangesetzt. Ich